Das Steinhuder Meer steuert auf eine entscheidende Phase zu. In dieser Woche wurde ein wichtiger Meilenstein erreicht: Das Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser hat den ersten Entwurf für den zweiten Teil des Seeentwicklungsplans (SEP II) präsentiert. Das rund 300 Seiten starke Werk soll die Richtung vorgeben, wie Niedersachsens größter Binnensee in den kommenden Jahrzehnten erhalten und genutzt wird.
Ein Plan mit vielen Beteiligten
Dr. Dr. Dietmar Mehl, Geschäftsführer des Biota-Instituts, stellt den aktuellen Entwurf des Seeentwicklungsplans vor – Foto: © ArL Leine-WeserSeit 2019 wird an diesem Konzept gefeilt. Beteiligt sind neben dem ArL auch der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und die Region Hannover. Der nun vorgestellte zweite Teil baut auf einer wissenschaftlichen Bestandsaufnahme von 2022 auf und enthält konkrete Vorschläge für die Praxis.
Zur ersten Diskussionsrunde am Wochenanfang waren fast alle dabei, die am Meer Rang und Namen haben: Vertreter der Kommunen, Experten für Wasserwirtschaft, Touristiker, Naturschützer sowie Segler und Fischer. Das Ziel ist ein schwieriger Spagat: Die Interessen des Naturschutzes mit denen des Wassersports und der Wirtschaft unter einen Hut zu bringen.
Die Schlamm-Frage bleibt das zentrale Thema
Viele fordern weitgreifendere Entschlammungsmaßnahmen – wie hier 2024 vorm Nordufer – Foto: Heiko HöhnDie Gespräche verliefen laut ArL zwar konstruktiv, machten aber auch die gewaltigen Herausforderungen deutlich. Ein Thema dominierte die Runde besonders: Die Verschlammung. Die Zahlen aus der letzten großen Vermessung von 2019 verdeutlichen das Problem: Während das Meer etwa 40 Millionen Kubikmeter Wasser führt, liegen am Boden bereits geschätzte 14,4 Millionen Kubikmeter Schlamm. Daneben standen Strategien zur Nährstoffsenkung und ein besseres Management der Wasserstände auf der Agenda.
Kritik von lokaler Seite: Der VESM fordert Nachbesserungen
Trotz der offiziellen Vorstellung gibt es deutliche Skepsis von den Menschen vor Ort. Der Verein zum Erhalt des Steinhuder Meeres (VESM) hat bereits vor der Präsentation klargestellt, dass er den Entwurf in der jetzigen Form für unzureichend hält.
Die Kritik des Vereins wiegt schwer: Der Plan ignoriere wichtige Erkenntnisse der lokalen Akteure und biete keine echten Lösungen gegen die drohende Verlandung der tiefen Rinnen im See. Laut VESM sei der Entwurf schlichtweg nicht geeignet, die akuten Probleme dauerhaft in den Griff zu bekommen.
Mehr dazu lesen Sie in unserem separaten Bericht: VESM nimmt Stellung
Auf einer Veranstaltung am 5. Februar wurde der vorliegende Plan diskutiert.
Wie geht es weiter?
Die Präsentation war erst der Auftakt. Die beteiligten Verbände und Nutzergruppen können den 300-Seiten-Entwurf nun im Detail kommentieren und ihr Feedback einreichen. Diese Rückmeldungen sollen in die finale Fassung einfließen.
Der Zeitplan ist ehrgeizig: Im Sommer 2026 soll die endgültige Version des SEP II fertig sein. Das ist wichtig, denn der Plan ist die Voraussetzung dafür, dass künftig Fördermittel vom Land fließen können, um die dringend notwendigen Arbeiten am Meer überhaupt zu finanzieren.
