Am 5. Februar 2026 versammelten sich über 150 Interessierte in den Steinhuder Strandterrassen, um über die Zukunft des Steinhuder Meeres zu diskutieren. Der Verein zum Erhalt des Steinhuder Meeres hatte zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Die Resonanz war erneut überwältigend.
Das Problem: 14,4 Millionen Kubikmeter Schlamm
Wilhelm Bredthauer, zweiter Vorsitzender des Vereins, eröffnete die Veranstaltung mit alarmierenden Zahlen: Tiefenmessungen zeigen etwa 14,4 Millionen Kubikmeter Schlamm im See. Das Kernproblem liegt jedoch nicht nur in der Menge, sondern auch in der falschen Verteilung. Der Schlamm lagert sich an ungünstigen Stellen ab und behindert damit die Nutzung des Sees erheblich. Ein eindrucksvoller Film – produziert von Dieter Hermann – fasste die wichtigsten Erkenntnisse und Aussagen der Podiumsdiskussion am 9. Oktober 2025 zusammen. Er diente als Einstieg in die Veranstaltung, bevor dann die Fragerunde, die Vorstellung des Seeentwicklungsplans 2 durch Jörg Prante (VESM) und weitere Diskussionen folgten.
Die Informationsveranstaltung am 05.02.2026 im Kurzüberblick
- 💧 Verschlammung verschärft sich: 14,4 Millionen Kubikmeter Schlamm gefährden Wasserstand und Nutzung, erfordern sofortige Maßnahmen
- 📉 Wasserstand im Steinhuder Meer ist kritisch: Aktuell 30 cm unter Soll von 38,05 m, besonders im Sommer drohen weitere Einschränkungen
- 🛠️ Entschlammung notwendig: Mindestens 5 Millionen Kubikmeter Schlamm sollen entfernt werden, um den Zustand von 1960 zu erreichen
- ⚖️ Herausforderungen bei Entsorgung: Schlamm gilt als Abfall, kompliziert Lagerung und Entsorgung: 3-4 Jahre bis neue Flächen verfügbar
- 🏖️ Wirtschaftliche Bedeutung: >2 Millionen Besucher jährlich: Wassersport und Tourismus hängen stark vom Zustand des Sees ab
- 🤝 Förderung von Beteiligung: Transparenz und Einbindung der Bevölkerung sind entscheidend für Akzeptanz und Maßnahmenumsetzung
Ursachen für den Schlamm: Mehr als nur natürliche Verlandung
Die Veranstaltung machte deutlich, dass die rapide Verschlammung nicht allein ein natürliches Phänomen ist:
- Störung der Strömungsverhältnisse: Sandriegelbildungen und Bauwerke haben die natürliche Ost-West-Strömung unterbrochen, die über Jahrhunderte das Meer offen hielt
- Nährstoffeintrag: Übermäßiger Phosphoreintrag fördert Algenwachstum und damit Schlammproduktion
- Entwässerung des Umlandes: Die Trockenlegung ehemaliger Überschwemmungsgebiete führte zu Absackungen und Wasserstandsproblemen
- Bauliche Maßnahmen: Stege, Promenaden und andere Infrastrukturen wirken als Schlammfallen
Die Vision: Zurück zum Zustand von 1960
Der Verein hat eine klare Forderung: Wiederherstellung des Zustands von 1960. Damals betrug das Schlammvolumen etwa 8-9 Millionen Kubikmeter statt der heutigen 14,4 Millionen. Das bedeutet konkret: 5 Millionen Kubikmeter Schlamm müssen entnommen werden.
Die geschätzten Kosten: etwa 20 Millionen Euro. Eine Investition, die angesichts der Bedeutung des Sees für die Region mit 2 Millionen Besucher jährlich, Lebensraum für seltene Arten, und ein Wassersportparadies gerechtfertigt sei.
Praktische Lösungsansätze
- Entschlammung: Die aktuelle Entnahmemenge von etwa 50.000 Kubikmetern pro Jahr reicht bei weitem nicht aus. Es wird vom Verein gefordert, diese Menge zu verdoppeln oder zu verdreifachen.
- Nährstoffreduktion: Maßnahmen zur Reduktion des Phosphoreintrags sind in Arbeit. Eine bessere Wasserqualität könnte das Wachstum von Wasserpflanzen fördern, die den Schlamm stabilisieren würden.
- Schlammlagerung: Ein kontrovers diskutierter Vorschlag ist die Einlagerung von entwässertem Schlamm auf renaturierten Moorflächen. Eine Lösung, die rechtliche und behördliche Hürden überwinden muss.
Die Herausforderung: Bürokratie und politischer Wille
Ein wiederkehrendes Motiv des Abends war die Frustration über behördliche Blockaden. Zu häufig hörte Ernst Greten, Vorsitzender des Vereins, die Antwort „Es geht nicht.“ Ob aus Kostengründen, wegen rechtlicher Hürden oder mangelnder Genehmigungen. Besonders kritisch wurde die Position der Verwaltung diskutiert, die den Status quo von 2025 erhalten möchte, statt den Zustand von 1960 anzustreben. Das, so die Kritik, würde einen bereits schlechten Zustand zementieren.
Rechtliche und praktische Herausforderungen bei der Schlammentsorgung
Die Entsorgung des entnommenen Schlamms ist das größte Hindernis für eine schnelle und umfassende Entschlammung des Steinhuder Meeres.
- Entnommener Schlamm wird rechtlich als Abfall behandelt, was komplizierte Genehmigungsverfahren mit sich bringe
- Die Region Hannover darf den Schlamm nur begrenzt im Wassereinzugsgebiet lagern, da die Gefahr besteht, dass Schadstoffe zurück ins Meer gelangen
- Die bestehenden Polderflächen sind bereits voll, und neue Lagerflächen sind erst in drei bis vier Jahren genehmigt und einsatzbereit
Ein Appell an die Politik
Bürgermeister der Stadt Wunstorf Carsten Piellusch brachte das Anliegen auf die Landesebene.
„Ich habe mich mit dem Ministerpräsidenten Olaf Lies in Verbindung gesetzt und ihn eingeladen, sich selbst ein Bild vor Ort zu machen.“
Er betonte die Notwendigkeit einer Koordination über mehrere Ministerien hinweg. Politisch wird ein interdisziplinärer Ansatz gefordert, der Landwirtschaft, Umwelt, Wasserwirtschaft, Wirtschaft und sogar Bevölkerungsschutz zusammenführt. Ein besonderer Fokus lag auf der Frage der Schlammlagerung:
„Der Schlamm ist ein zentrales Problem, das müssen wir irgendwie lösen. Vorschläge dazu gibt es und einige gute Vorschläge des Vereins dazu. Die sind es auf jeden Fall wert, diese mit dem Land in Ruhe zu besprechen.“
Der Verein hat konkrete Forderungen formuliert
- Tiefenmessungen: Systematische Bestandsaufnahmen zur genauen Erfassung der Schlammverteilung
- Strömungsgutachten: Wissenschaftliche Modelle unter Einbeziehung von Erfahrungswissen der Nutzer
- Intensivierte Entschlammung: Erhöhung der jährlichen Entnahmemengen
- Mobilisierung der Bevölkerung: Mehr öffentliche Aufmerksamkeit für das Problem
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Mehr InformationenFazit, Fortsetzung der Zusammenarbeit und nächste Termine
Die Veranstaltung zeigte: Es gibt einen breiten Konsens darüber, dass das Steinhuder Meer gerettet werden muss. Die jährliche Schlammentnahme muss gesteigert werden. Es gibt konkrete Pläne, wie das funktionieren kann. Außerdem starten mit Saisonstart erneute Messfahrten, um ein aktuelles Abbild der Schlammsituation zu dokumentieren.
Die nächste Mitgliederversammlung des VESM findet am 5. März 2026 statt (18:00 Uhr im Segelclub BSV). Wer das Steinhuder Meer erhalten möchte, ist herzlich eingeladen. Die Termine begleiten wir auf der Webseite und auf Social Media.