Renaturierungsprojekt Weiße Düne geht weiter: Umleitungen ab 9.11. möglich

Renaturierungsprojekt Weiße Düne geht weiter: Umleitungen ab 9.11. möglich
In den kommenden Wochen gehen die Arbeiten zur Renaturierung des Weißen Bergs in Mardorf weiter. Im dritten Bauabschnitt werden ab Montag, 9. November, am Uferweg, im Bereich zwischen dem Übergang Strandhotel und dem Übergang Leichte Brise, rund 200 Bäume mit Durchmessern zwischen 20 und 50 Zentimetern entfernt. Am Rundwanderweg kann es dadurch zu Sperrungen kommen, eine Umleitung für Wanderer und Radfahrer ist vorgesehen.

 

Bereits im Herbst 2018 begannen erste Arbeiten zur Renaturierung des Weißen Berges. Im nun dritten Bauabschnitt werden ab Montag, 9. November, am Uferweg im Bereich zwischen dem Übergang Strandhotel und dem Übergang Leichte Brise, die Arbeiten fortgesetzt und Bäume entfernt. So sollen schrittweise wieder offene Grasflächen und Magerrasen innerhalb eines lichten Eichen-Kiefern-Waldes entstehen. Landschaftsbildprägende Gehölze sowie Bäume, die für den Artenschutz wichtig sind, bleiben dabei erhalten. 

 

Umleitungen während der Baumfällarbeiten

Während der Baumfällarbeiten am Weißen Berg kann es zu Umleitungen für Wanderer und Radfahrer kommen - Karte: Region Hannover

Die Arbeiten schließen auch archäologische Untersuchungen ein und sollen bis Ende Januar 2021 abgeschlossen sein. Der Uferweg sowie die Überwege Strandhotel und Leichte Brise können von Besucherinnen und Besuchern in diesem Zeitraum größtenteils ungehindert genutzt werden.

Wenn es im Zuge der Baumfällungen zu Sperrungen kommt, sind Umleitungen ausgeschildert:
Fußgänger werden dann über den Übergang Badestraße, die Meerstraße und über den Übergang Leichte Briese wieder auf den Rundweg geleitet. Radfahrer sollen den Rundweg erst wieder ab der Hubertusstraße benutzen. Die zu Sperrungen führenden Arbeiten sollen aber bereits nach einer Woche, also spätestens am 16.11. beendet sein.

 

Offene Binnendüne - wertvoller Lebensraum

Binnendünen mit vielen offenen Sandflächen und nur wenigen Bäumen waren noch vor fünfzig Jahren charakteristisch für das Landschaftsbild am Nordufer des Steinhuder Meers. Obwohl bis zu 20 Meter hoch sind die heute aufgeforsteten oder landwirtschaftlich genutzten Sandberge kaum noch erkennbar. Mit einem Renaturierungsprojekt will die Region Hannover den ursprünglichen Zustand einiger Dünen wieder herstellen. Landschaftsbildprägende Gehölze sowie Bäume, die für den Artenschutz wichtig sind, werden erhalten. 

 „Ziel der Maßnahme ist es, den selten gewordenen Biotoptyp ‚offene Binnendüne‘ wieder am Nordufer entstehen zu lassen, der dann wertvollen Lebensraum für hoch spezialisierte Pflanzen- und Tierarten bietet“, erläutert Sonja Papenfuß, Leiterin des Fachbereichs Umwelt der Region Hannover: „Auch für die Besucherinnen und Besucher des Naturparks Steinhuder Meer ist die entstehende Dünenlandschaft eine Besonderheit, die sie auf ihren Spaziergängen erleben und genießen können.“ Auf Informationstafeln am renaturierten ersten Abschnitt wird das Projekt erläutert.

Um die im Laufe der Jahre in den Sandboden eingetragenen Nährstoffe zu entfernen, wird auch im zweiten Bauabschnitt zunächst die oberste Vegetationsschicht abgeschält und anschließend die obere nährstoffreiche Bodenschicht - ca. zehn Zentimeter dick – abge-schoben. Das Projekt „Freistellen bewaldeter Binnendünen“ mit geschätzten Kosten in Höhe von 80.000 Euro wird zu 100 Prozent aus EU-Mittel (Förderbereich strategischer Arten- und Biotopschutz - SAB) gefördert, da die seltenen Lebensraumtypen offene Binnendünen und Sandmagerrasen mit Silbergrasflur wieder hergestellt werden und Lebensraum für seltene Arten wie Zauneidechsen, Schlingnattern, Kreuzkröten und Bienenwölfe (Insekten) geschaffen wird.Insgesamt sollen Dünen mit einer Gesamtfläche von etwa vier Hektar in in Teilabschnitten renaturiert werden.

Um den Binnendünen-Charakter zu erhalten sind nach Abschluss der Arbeiten Pflegemaßnahmen erforderlich, da sich sonst Ruderal-pflanzen, Neophyten und Pioniergehölze wieder ansiedeln und die konkurrenzschwache Magerrasenvegetation verdrängen

 

Hintergrund: Binnendünen am Steinhuder Meer

Binnendünen sind während der Eiszeiten durch Wind entstanden. Nach dem Abtauen der Eismassen blieb in Niedersachsen eine flachwellige Landschaft zurück, die von einer lückenhaften Tundrenvegetation bedeckt war. Starke Westwinde konnten nahezu ungebremst die feinkörnigen Bodenpartikel wie Sand und Schluff davontragen. Mancherorts entstanden flache bis in die Nähe des Grundwasserspiegels reichende Senken. Auch das Steinhuder Meer ist teilweise auf solche Ausblasungen zurückzuführen.

Die verwehten Sande lagerten sich vor allem an der Nordkante des Steinhuder Meeres als Binnendünen ab. Abhängig von der damals vorherrschenden Windrichtung und -stärke bildeten sich verschiedene Formen aus: unregelmäßige Dünen, gut ausgebildete Längsdünen oder u-förmige Parabeldünen. Die meisten Binnendünen wurden in den vergangenen 200 Jahren aufgeforstet oder unterliegen einer landwirtschaftlichen Nutzung. Zahlreiche Namen wie Hespenberg, Diepholzberge, Schwarze Berge und Weißer Berg weisen noch heute auf die Entstehung hin.

 

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