Mit einer rekordverdächtigen Beteiligung von 240 Seglerinnen und Seglern auf 120 Booten avancierte das Südufer kürzlich zum nationalen Hotspot des Segelsports. Der Schaumburg Lippische Seglerverein (SLSV) richtete die Internationalen Deutschen Meisterschaften (IDM) der olympischen 470er und ihres „kleinen Bruders“, der 420er-Jollen, aus.

Gigantisches Segel-Event am Steinhuder Meer

Volle Konzentration - Foto: mono photo

Volle Konzentration beim Regatta-Event auf dem Steinhuder Meer – Foto: mono photo

Die 470er, seit 2024 in gemischter Besetzung olympisch, und die 420er (beide mit Trapez und Spinnaker ausgestattet) sind die etabliertesten Double-Handed-Klassen weltweit, besonders in der Jugend. Entsprechend groß war der Tross, der anreiste: Neben den Sportlern kamen Trainer, Betreuer und eine Wettfahrtleitung von bis zu 50 Personen. Die Austragung stellte einen logistischen Kraftakt dar, der in den großen Segelrevieren üblich ist, am Steinhuder Meer aber als Sensation gelten dürfte.

Logistische Meisterleistung und Regatta-Premiere

Das Gelände des SLSV während der Segelveranstaltung - Foto: SLSV

Das Gelände des SLSV während der Segelveranstaltung – Foto: SLSV

Die Herausforderungen waren riesig, wie Niels Hentschel, der verantwortliche Sportwart des SLSV, betonte: „Alle Trailer ans Wasser, alle Boote ins Wasser und alle Segler satt – das waren in dieser Woche mit die größten Herausforderungen für uns.“ Doch das engagierte Team meisterte die Mammutaufgabe bravourös. Auch die anschließende Feier sorgte für ein volles Haus: „Ich glaub zur Siegerehrung mit anschließender Party waren mehr als 350 Leute bei uns, da wird es im Bootshaus dann eng – aber umso gemütlicher“, so Hentschel weiter.

Boote wohin das Auge reicht: IDM der 420er und 470er auf dem Steinhuder Meer - Foto: SLSV

Boote wohin das Auge reicht – Foto: SLSV

Auch auf dem Wasser gab es eine Premiere. Bei 80 gemeldeten 420er-Booten, die in zwei Gruppen starteten, wurde es auf Norddeutschlands größtem Flachsee eng. „Bei so vielen Booten wird selbst unser großes Steinhuder Meer eng“, erklärte Wettfahrtleiter Heiner Forstmann. Um die drei Gruppen nicht zu behindern, legte sein Team erstmals zwei parallele Kurse – sogenannte Inner- und Outerloops – aus, eine absolute Neuheit für das Steinhuder Meer!

Trotz niedrigem Wasserstand und Schlamm, der die Tonnenleger vor Probleme stellte, gelang es, an drei Segeltagen faire Wettfahrten durchzuführen. Der finale Samstag musste jedoch wegen einer Unwetterwarnung mit Gewitter und Hagel ausfallen. „Gut, dass wir da niemanden auf dem Wasser hatten“, zeigte sich Niels Hentschel erleichtert. „Da wird im Ernstfall bei 240 Kindern dann jedes Motorboot gebraucht.“

Die neuen Deutschen Meister

In zehn Wettfahrten der 420er-Klasse setzten sich Vincenzo Reuter und Chiara Albani vom Bayerischen Yachtclub durch (24 Punkte). Sie siegten vor Carl Wolf/Karl Lander (Verein Seglerhaus am Wannsee) und Edda Sperling/Janne Marlen Schirmer (Schweriner Yachtclub).

Bei den 470er-Teams gewannen in sieben Wettfahrten Malte Winkel und Paula Schütze vom Norddeutschen Regattaverein (13 Punkte). Sie verwiesen das schwedische Geschwisterpaar Hedvig und Hugo Liljegren auf Platz zwei, gefolgt von Laura Pukropski und Thorben Schlüter vom Fürstenberger Yachtclub.

Das Treppchen bei den 470er Seglern - Foto: mono photo

Sportwart Niels Hentschel (li.) freut sich mit den Gewinnern der 470er Segler – Foto: mono photo

Die Gewinner bei den 420ern - Foto: mono photo

Das Treppchen bei den 420ern – Foto: mono photo

Enges Getuemmel an-der Startlinie - Foto: mono-photo

Enges Getümmel an der Startlinie – Foto: mono-photo

Nachdem am Samstag noch unter stürmischen Bedingungen 120 Boote und 20 Motorboote verladen wurden, verwandelte sich das Bootshaus des 1908 gegründeten SLSV in eine Party-Location. 240 Segler und ihre Begleiter feierten mit der Steinhuder Ortsbürgermeisterin Christiane Schweer und Wunstorfs Bürgermeister Carsten Piellusch bis in die frühen Morgenstunden ihre neuen Meister.

Sportwart Niels Hentschel zog ein sichtlich erschöpftes, aber glückliches Fazit: „Wenn uns hier von den Teilnehmern unisono gesagt wird, dass dies eine der besten Meisterschaften der letzten Jahre war, dann müssen wir uns alle gemeinsam noch mehr ins Zeug legen, damit unser schönes Meer erhalten bleibt.“ Er betonte die Wichtigkeit der Jugendarbeit: „Unser Team gibt hier alles damit Kinder und Jugendliche den Weg in den Segelsport finden und da auch bleiben, dafür brauchen wir aber Unterstützung von allen Seiten.“

Die kompletten Ergebnisse der IDM finden Sie hier.

Zweikampf zwischen Schweden und Deutschland bei den 470ern - Foto: mono photo

Zweikampf zwischen Schweden und Deutschland bei den 470ern – Foto: mono photo