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Wasserpest von Stephan Rykena

Wasserpest von Stephan Rykena
Eine Erfolgsgeschichte aus dem Wunstorfer Stadtanzeiger wird uns von Stephan Rykena freundlich als Netzversion zur Verfügung gestellt.
Lassen Sie sich von der Wasserpest fesseln, aber verlieren Sie nicht Kopf und Kragen...
Das Fax, das die Kommissarin am Montagmorgen auf ihrem Tisch fand verhieß nichts Gutes. Sie hatte es schon geahnt, als sie am Morgen beim Frühstück in ihrer Wohnung am Stadtgraben die Schlagzeile "Die Spur führt nach Steinhude" gelesen hatte. Das Fax war von der Kripo in Neustadt. Es bezog sich auf einen Leichenfund in der Leine am Wehr in Neustadt. Die Kollegen hatten bei ihren Ermittlungen einiges heraus gefunden, was die Übergabe des Falles an das Wunstorfer Kommissariat als sinnvoll erscheinen ließ. "Eine Tätowierung auf der linken Schulter (Seeadler) deutet darauf hin, dass es sich bei dem unbekleideten Torso (Kopf, Beine und Arme fehlen) aller Wahrscheinlichkeit nach um den seit Junivermissten Bodo Gotmann aus Steinhude handelt. Die fehlenden Teile wurden fachgerecht, vermutlich mit einem scharfen Messer und einer feinen Säge, abgetrennt. Der Zustand des Torsos lässt auf eine Verweildauervon etwa drei bis vier Monaten im Wasser schließen. (Bilder gehen Ihnen auf dem Postweg zu). Ausführliche Informationen auf Anfrage." Kommissarin Paulus atmete tief ein und setzte ein entschlossenes Gesicht auf. "Na, dann woll`n wir mal", sagte sie und nahm den Telefonhörer in die Hand. Just in dem Augenblick öffnete sich die Tür auf und Kollege Ulli Werschow trat freundlich lächelnd ein. "Hallo Petra, dein Gesichtsausdruck sieht nach Arbeit aus. Ich hatte gehofft...." "Ausgehofft", sagte sie grinsend und hielt das Fax hoch. "Der Leine-Wehr-Fall. Stand heute in der Zeitung. Der Typ kam aus Steinhude." Am anderen Ende der Leitung meldeteKollege Polster aus Neustadt. Werschow musste sich etwa zehn Minuten gedulden, bis seine Vorgesetzte sich ihm wieder widmen konnte. Peter Polster und die Kommissarin kannten sich noch aus gemeinsamen Göttinger Tagen und hatten sich viel zu erzählen. Nachdem sie mit einem liebvollen "Tschüß denn, und bis bald mal" das Gespräch beendet hatte, weihte sie Werschow in den Ermittlungsstand ein. "Also, der Tote ist definitiv dieser Bodo Gotmann, der schon seit Juni vermisst wird.Ist aus Steinhude. Die Vermisstenanzeige haben wir da oben im Ordner.Wahrscheinlich ist der Fundort nicht der Tatort. Das heißt, die Strömung hat den Torso, der wohl ursprünglich in einem beschwerten Plastiksack ins Wasser geworfen wurde, bis zum Leine-Wehr getrieben. Details kriegen wir noch."

 

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Werschow ging zum Aktenschrank und holte den Hefter. "Seine Nichte hat ihn als vermisst gemeldet. Sie hatte ihn besuchen wollen und war extra aus Berlin angereist. Der Mann lebte allein in einer ausgebauten Laube an der Bleichenstraße. War ziemlich bekannt als engagierter Umweltschützer und Gründungsmitglied des `Vereins zur Begrenzung der Weißen Industrie` VBWI. Die Nichte hatte bei der Anzeige die Vermutung geäußert, dass ihm etwas passiert sein müsse." Die Kommissarin nickte. "Und sie hatte Recht. Und nun müssen wir rausfinden, wie." Sie zog einen Block aus einer Schublade und machte Notizen. Werschow beugte sich über ihren Schreibtisch und sog dabei unbemerkt den Duft ihres Parfüms ein. "Also: Du fährst nach Steinhude zu dieser Laube und versuchst etwas über diesen Gotmann herauszufinden. Ich informiere die Nichte und erkundige mich nach diesem VBWI. Wir treffen uns in zwei Stunden in Steinhude im Cassis im Scheunenviertel. Da soll‘s ein ziemlich gutes und preiswertes Frühstück geben."
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Werschow hatte schon seinen zweiten Cappuccino bestellt, als seine Vorgesetzte ins Cassis kam. "Sorry, aber unser Oberschlauer, der Stilte von der Streife, kam noch und hat mich vollgelabert. Und er wusste sogar was Interessantes. Vor zwei Wochen haben, laut Stilte, zwei Jungs beim Segeln im Hagenburger Kanal unliebsame Bekanntschaft mit einem Kasten im Wasser gemacht und als sie ihn rausgeholt hatten, entpuppte der sich als Sammelsurium von allerlei, in Zement gegossenem Werkzeug aus Edelstahl. Die Jungs haben das den Kollegen vom Wasserschutz gemeldet. Stilte meinte, es habe verdammt nach Metzgergerät ausgesehen, so Säge und Messer und so. Er lässt es gerade nach Wunstorf bringen. Könnte doch was mit unserm Fall zu tun haben."

 

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Sie winkte die Kellnerin heran und beide bestellten ein Frühstück. "In Gotmanns Haus war nichts Besonderes . War zwar nicht sehr aufgeräumt, aber eingebrochen worden ist da sicher nicht und durchwühlt war auch nichts. Nur Unmengen von Ordnern mit Papieren über Umweltschutz und so. Da kommt sicher nochwas auf uns zu, wenn wir das alles durcharbeiten müssen. Dazu gab’s auch noch `n Computer mit Internetanschluss. Ist aber durch‘n Passwort geschützt. Da müssen die von der EDV ran. Ich hab die Spurenermittlung schon zu der Laube bestellt. Ist übrigens ein schickes kleines Ding mit direktem Zugang zum Wasser und mit Boot. - Holzsegler. Ein Traum! Die Nachbarn war nicht sehr gesprächig. Ist eben Steinhude. Der Gotmann soll‘n ziemlich Eigenbrödler und Querkopf gewesen sein." Bei Werschows letzten Worten kam die Bedienung mit dem Frühstück an den Tisch. "Eigenbrödler ist gut", meinte sie beiläufig, während sie die Brötchen und die Butter auf den Tisch stellte und die Kommissarin sie verwundert ansah. "Fragen Sie mal einen hier in Steinhude, der seine Brötchen sauer verdienen muss, nach dem Gotmann. Den sollte man an seine blöden Kormorane verfüttern, wenn der wieder auftaucht."

 

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Eine halbe Stunde später waren die beiden Kommissare und die Bedienung um einiges schlauer. Und das halbe Dorf auch, denn die Bedienung war ziemlich schnell nach dem Gespräch in der Küche verschwunden. Bodo Gotmann wareine ziemlich umstrittene Person gewesen. Sein nahezu kompromissloser Naturschutz hatte ihm zwar auch Freunde, aber wohl hauptsächlich Feinde eingebracht. Seine ärgsten Feinde saßen in der Tourismusbranche. Denen hatte er mit der Beantragung von Verordnungen und Verfügungen das Leben schwer gemacht. "Der hat garantiert was mit dieser Wasserpest zu tun", waren die letzten Worte der Bedienung gewesen, bevor Werschow ihr erzählt hatte, dass die Vergangenheitsform "hatte" wohl angebrachter sei. Die Kommissarin und ihr Kollege grinsten sich kopfschüttelnd an, als sie zu ihrem, vor der Schule geparkten Auto gingen. "Die Wasserpest...ja, ja. Wär ja auch gar nicht so dumm. Die Natur regelt alles von selbst. Naturschutz mit Hilfe der Natur. Erspart einem viel Arbeit." Im Revier an der Amtsstraße in Wunstorf türmten sich die Akten aus Gotmanns Wohnung. "Hast du irgendeine Ahnung, wonach wir suchen sollten? Ich mein...." Die Kommissarin studierte zwei Faxseiten, die auf ihrem Schreibtisch lagen. "Hier, das ist ganz interessant. Der Kopf und die Arme müssen von einem Professionellen abgetrennt worden sein, steht hier und in einer Kratzwunde an der Schulter wurden weiße Baumwoll- und blaue Acrylfasern gefunden. Der Kopf wurde mit einer Knochensäge fachmännisch am Halswirbel ........... Uaah! Diese Pathologen haben wohl irgendwie immer Spaß daran, so detailliert wie möglich alles zu beschreiben." "Sprichst du da aus Erfahrung?", Werschow grinste sie frech an. "Wie geht’s eigentlich André Leicht, diesem Pathologen aus Hannover? Ich hab seit unserem vorletzten Fall nichts mehr von dem gehört. Kommt der nicht auch hier aus Steinhude?" Petra Paulus sah ihren Kollegen böse an. "Oh nee, nicht! Möchtest du mal wieder austesten, wo die Grenzen unserer Beziehung sind? Ich hab dir schon mal erklärt, dass ich es absolut nicht leiden kann, wenn du unser Arbeitsverhältnis mit plumpen Vertraulichkeiten belastest. Mein Privatleben ist absolut tabu, klar." Sie setzte sich hinter ihren Schreibtisch und nahm einen der zahlreichen Ordner, während Werschowwie ein geprügelter Hund zur Tür ging. "Ich geh mal zur EDV", sagte er knapp.

 

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Kurz vor Dienstschluss kam Werschow zurück und fand die Kommissarin tief in eine Akte versunken. "Die haben den Computer geknackt. Der Gotmann hatte sich, so wie es aussieht mit so ziemlich allen Steinhuder Geschäftsleuten angelegt. Am heftigsten aber in der letzten Zeit mit den Auswandererbesitzern und einem Konsortium, das ein zehnstöckiges Hotel am Hagenburger Kanalbauen will. Geht alles irgendwie um Umweltschutz. Dieser VBWI ist wohl nur gegründet worden, damit............" Die Kommissarin legte den Ordner auf ihren Schreibtisch und beugte sich grübelnd vor. "Tut mir Leid, dass ich vorhin so sauer reagiert habe, aber ich möchte nun mal gerne, dass wir gut arbeiten können und das geht nur, wenn wir uns nicht noch privat verzetteln. Das heißt ja nicht....." Sie grinste ihn plötzlich entwaffnend an und warf mit einem Radiergummi nach ihm. "Nun steh nicht so da wie ein begossener Pudel. Für heute ist Schluss. Los, wir gehen zum Griechen in die Nordstraße. Ich hab noch nichts gegessen." Werschows Gesicht hellte ein wenig auf und er kratzte sich verlegen am Kopf. "Im Keller spielt um neun `ne irische Band. Hast du Lust, nach dem Essen da mal reinzusehen?" Es wurde ein netter Abend und nachdem Ulli seine Kommissarin schließlich an ihrer Wohnung im Riegelbau am Stadtgraben abgeliefert hatte, war die Welt wieder in Ordnung.

 

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Die kurze Notiz auf dem Schreibtisch im Revier am nächsten Morgen fügte dem Puzzle um Bodo Gotmanns Tod ein weiteres Teilchen zu. Engeline Grüneweg, die Frau eines Fischers aus Steinhude hatte ihren Mann am Vorabend als vermisst gemeldet. Grüneweg war nach Angaben seiner Frau am Vortag geschäftlich zu einem Treffen albanischen Fischhändlern in ein Hotel nach Holzminden gefahren und hatte sich seitdem nicht mehr gemeldet. Am Handy meldete sich nur seine Mailbox. In dem Hotel wusste man nichts von einem Geschäftstreffen. "Dieser Grüneweg ist in den vergangenen Monaten wegen etlicher merkwürdiger Geschichten reichlich in den Medien gewesen", meinte Werschow und sah sich suchend auf seinem Schreibtisch um. "Hier hab ich’s.Soll angeblich Verbindungen zur albanischen Fischmafia gehabt haben. Hat ganz schön hohe Wellen an den Ufern des Steinhuder Meeres geschlagen. Es ging da umImporte von Glasaalen aus Nicht-EU-Ländern,für die Grüneweg Subventionen in sechsstelliger Höhe kassiert haben soll. Die Fischer befürchteten, bisher unbekannte Seuchen könnten auf die Weise ins Meer eingetragen werden und die Bild-Zeitung hat sogar mal die Wasserpest mit diesen Importen in Verbindung gebracht ." Erst jetzt bemerkte er das freche Grinsen auf Petra Paulus Gesicht. ".hat hohe Wellen an den Ufern des Steinhuder Meeres geschlagen" wiederholte sie langsam und betont, wobei sie das Kinn auf die linke Hand stützte. "Wow, an dir ist `n Dichter verloren gegangen, Ulli. Man achte auf die Symbolik!"Werschows Ohren und Wangen glühten schlagartig auf. "Hast du den Rest wenigstens auch gehört?" fragte er schnippisch um seine Röte zu überspielen. "Vielleicht besteht da ja sogar 'ne Verbindung." Die Kommissarin lächelte immer noch amüsiert, legte dann aber die Stirn nachdenklich in Falten. "Du meinst zwischen dem Verschwinden von diesem Grüneweg und dem Tod von Bodo Gotmann? Meinst du der Grüneweg gehörte auch zu den Gotmanngeschädigten und hat den deshalb..? Ziemlich gewagt so’ne Annahme zu diesem Zeitpunkt, find ich. Ich glaub wir müssen erst mal wieder unsere berühmte Flipchart rausholen und `ne Skizze anfertigen." Sie hängte den überdimensionalen Block auf den dafür vorgesehenen Holzständer und nahm einen dicken Filzstift in die Hand. "Also, was haben wir: Bodo Gotmann, Naturschützer, Gründer des VBWI, Laubenbewohner ohne Familie, Querulant, ist tot. Sein Torso wurde in der Leine gefunden. Kopf , Beine und Arme fehlen. Grüneweg... wie heißt der eigentlich mit Vornamen?" "Cord, glaub ich." "Also, Cord Grüneweg, dubioser Fischerhändler, ist verschwunden. Vermisst gemeldet von seiner Frau. Bezieht Fisch aus Albanien. Angebliches Treffen in Holzminden. Was haben wir noch?" "Das Fleischerwerkzeug aus dem Beton in Hagenburg. Das sollte doch angeblich längst hier sein. Ich seh mal nach." Werschow ging zur Tür und kam kurz darauf mit einem Hefter in der Hand zurück. "Ich hab das Zeugs nach Hannover weitergeleitet. Die sollen überprüfen, ob die Teile was mit dem Torso von diesem Gotmann zu tun haben. Mir kam plötzlich so‘ne Idee, als ich diese Liste hier ansah. Knochensäge, Fleischermesser...." "Ich hab übrigens was über diesen VBWI rausgekriegt", sagte die Kommissarin und zog einen Notizblock aus ihrer Jackentasche. "Also der Gotmann hat den Verein mit fünf anderen Leuten aus Winzlar und Mardorf gegründet. Hat inzwischen zweihundert Mitglieder. Die wollen unter anderem erreichen, dass die Zahl der Boote und der Gästebetten rund ums Steinhuder Meer begrenzt wird. Außerdem sollen die Campingplätze in Mardorf verringert werden und etwa die Hälfte des Meeres für Tourismus gesperrt werden. Fischen und Surfen soll nur noch...." "Darf man denn wenigstens noch aufs Wasser gucken oder stört das vielleicht die Vögel? Kein Wunder, dass da irgendjemand durchdreht. Die Zahl der potentiellen Täter dürfte damit weit über tausend liegen, vermute ich. Und diese Akten? Ich glaub ich geh erst mal zur EDV und stürz mich in Gotmanns Computer. Vielleicht finde ich da ja die berühmte Nadel im Heuhaufen." Die Kommissarin zuckte mit den Schultern und nahm seufzend einen Ordner mit der Aufschrift: SCHRIFTWECHSEL, der aus Gotmanns Laube stammte. Am späten Nachmittag waren die beiden Ermittler zwar um einiges schlauer, eine heiße Spur gab es jedoch immer noch nicht. Mindestens fünf Leute hätten ein sattes Motiv gehabt Bodo Gotmann ins Jenseits zu schicken. Sigmund Trostein und sein Konsortium versuchten schon seit einem Jahr den Grundstein eines Hotels am Hagenburger Kanal zu legen, wurden aber immer wieder durch zahlreiche einstweilige Verfügungen, Gutachten und Auflagen, die der VBWI erwirkt hatte, daran gehindert. Dolores Kleinschmidt hatte zwanzig teure Boote mit Brennstoffzellenantrieb, die sie nach Einspruch des VBWI nicht benutzen durfte, auf ihrem Grundstück an der Badeinsel liegen.. Jonatan Goldapfel betrieb seit dreißig Jahren einen Campingplatz in Mardorf, der laut VBWI geschlossen werden sollte, weil eine Komoran-Kolonie durch den Lärm gestört würde. Uwe Most hatte gerade mit einem hohen Kredit einen Laden für Segler- und Surferbedarfin Großenheidorner Strand eröffnet und nun hatte der VBWI beantragt, das Surfen und Segeln nur noch an Montagen zu gestatten. Und dann war da auch noch Tatjana Schlunk, die ihren Schmuckladen in Lindau am Bodensee verkauft hatte und mit dem Geld das geerbte Haus ihrer Eltern direkt am Wasser in Großenheidorn in ein Schmuckstück verwandelt hatte. Ihr hatte Gotmann anhand alter Pläne nachgewiesen, dass das Haus, kurz nach dem Krieg illegal im Naturschutzgebiet gebaut worden war. Nun lag ihr, nach einer Eingabe des VBWI bei der Region, eine Abrissverfügung innerhalb der nächsten drei Monate vor. Handfeste Motive also bei diesen fünf Leuten, aber mindestens zwanzig andere Leute hätten genauso gut Gotmanns Tod herbeisehnen können. Es half nichts, die beiden Ermittler mussten den mühsamen Weg gehen. Gedankenversunken nahm die Kommissarin den Stadtanzeiger in die Hand, den eine Praktikantin ihr gerade auf den Tisch gelegt hatte. WASSERPEST AUF DEM RÜCKZUG war die Titelzeile neben dem Foto des fast völlig verkrauteten Meeres.Fischer vermuten Karpfen als Ursache. Interessiert las sie weiter. Auswandererbesitzer und Fischer stellen seit etwa zwei Wochen einen partiellen Rückgang des sogenannten Wasserpestbewuchses des Meeres fest. War es bis vor kurzem nur möglich, den Wilhelmstein auffreigemähten Wasserstraßen zu erreichen, so istseit ein paar Tagen ein größere freie Fläche südlich der Insel zu erkennen. Auch zwischen Hagenburg und Steinhude ist ein Rückgang des Bewuchses festzustellen. Die Fischer berichteten von karpfengroßen Fischen, die sie zwischen den Pflanzen gesehen haben wollen. Sollte diese, bisher massiv abgelehnte Methode der Bekämpfung der Wasserpest mit Graskarpfen doch angewandt worden sein? Die Regionsverwaltung war auf Nachfrage des Stadtanzeigers zu keiner Stellungnahme zu diesem Thema bereit. Die Kommissarin lehnte sich in ihrem Schreibtischstuhl zurück und fixierte die Decke. Kollege Werschow starrte auf seinen Computermonitor. "Kannst du dich noch erinnern, wie das mit dieser Wasserpest im Steinhuder Meer angefangen hat?", fragte die Kommissarin plötzlich in die Stille hinein. "Das ist doch noch gar nicht so lange her, oder? Zwei Jahre?" Werschow brummelte irgendwas Zustimmendes. "Der Gotmann und der Grüneweg kannten sich", sagte er plötzlich scheinbar ziemlich zusammenhanglos und zupfte nachdenklich an seiner Unterlippe. "Hier auf der Diskette gibt es ein Schreiben, in dem der Gotmann dem Grüneweg ziemlich unverhohlen droht, dass er es nicht länger dulden werde, dass Grüneweg das Meer für seine illegalen Geschäfte missbrauche. Grüneweg solle sich an die geltenden Bestimmungen halten und aufpassen, dass ihn seine Mafiamethoden nicht eines Tages ins Gefängnis brächten. Gotmann verweist dabei auf ein Schreiben, das er Grünewegim Frühjahr geschickt habe. Leider kann ich nichts hier im Computer finden. Vielleicht gibt’s darüber ja was in einem der Ordner. Hast du schon was.......?" Die Kommissarin schreckte aus ihrem Tagtraum heraus und stand auf. "Was, - was meinst du? Ob ich....? Nee, keine Ahnung. Ich hab bisher nur einen Ordner geschafft. Ich klappere erst mal ein paar von diesen Verdächtigen ab. Die beiden Frauen lass ich, glaub ich, aus. Ich schätze, dass die den Gotmann ja wohl kaum zersägt haben werden. Frauen morden normalerweise mit Gift oder zumindest subtiler als mit `nem Schlachtermesser. Hast du irgendwo die Adressen von diesem Trostein, dem Most und, - wie hieß der Dritte noch?" "Goldapfel. Wohnt in Mardorf. Hier sind die Adressen. Dann also bis Morgen. Ich häng mich mal in die Akten."

 

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Beim Frühstück am nächsten Morgen grinste Werschow beim Anblick der Titelstory des Regionalteils der Tageszeitung. Karpfenstory war ein Weihnachtsmärchen lautete die Überschrift des Artikels, der sich auf eine Meldung vom vorjährigen Dezember bezog, in dem die Fischer beklagt hatten, dass es keinen Weihnachtskarpfen aus dem Maschsee gebe, weil die Jungfische des Vorjahres auf wundersame Weise verschwunden seien. In dem jüngsten Artikel wurde behauptet, es habe durchaus genügend Karpfen im Maschsee gegeben. Sie seien jedoch nicht gefangen worden, weil der Preis für Karpfen auf einem Tiefpunkt gewesen sei. Die Story mit den Jungfischen sei als Schutzbehauptung erfunden worden. Werschow konnte sich erinnern, dass sein Mutter, die in Ahlem wohnte, ihm diese Geschichte erzählt hatte, als sie ihm am Heiligabend Pute statt des traditionellen Karpfens aufgetischt hatte. Auf dem Weg zum Revier an der Amtsstraße freute Werschow sich, dass er das Fahrrad genommen hatte, da die grüne Welle am Stadtgraben mal wieder so hervorragend funktionierte, dass sich der Verkehr bis Hagenburg staute. Gleich mehrere Schreiben schmückten bei seiner Ankunft seinen Schreibtisch. Er las gerade den Bericht über den Vergleich der Schlachterwerkzeuge mit den Spuren am Torso von Bodo Gotmann, als seine Vorgesetzte herein rauschte und ihn aufforderte, seine Jacke zu nehmen. "`N paar Kinder haben Teile einer Leiche in einem Plastiksack im Moor bei Poggenhagen gefunden. Stilte hat gerade angerufen. Er ist schon am Fundort." Trotz Blaulicht hatten sie einige Mühe sich durch die Straße An den Ellern zu drängeln, da es an der Kreuzung bei OBI einen Unfall gegeben hatte und der gesamte Verkehr durch die Nonnenwiese geleitet wurde. "Die Schlunk können wir übrigens von unserer Liste der Verdächtigen streichen", sagte die Kommissarin und überholte einen erschrockenen, Audi A 4 fahrenden Rentner mit Pepita-Hut mit hohem Tempo. "Die lag von Ende September bis November acht Wochen im Henriettenstift. Raucherbein. Und der Trostein mit seinem Hotelbau fällt auch aus. Hat Insolvenz angemeldet. Das Hotel wird nicht gebaut. Der ist total pleite. Und der Goldapfel vom Campingplatz in Mardorf sitzt im Rollstuhl. Ziemlich unwahrscheinlich, dass der den Gotmann zerstückelt in die Leine geworfen hat. Bleiben also nur noch der Most mit seinem Segelladen und die Kleinschmidt mit ihren Booten." In Kleinheidorn, an der Ampel an der Abzweigung nach Blumenau konnte Petra einen Unfall nur noch dadurch vermeiden, dass sie nach links über den Fußweg auswich. Werschow blieb trotzdem gelassen. Er wusste, dass seine Chefin eine gute Fahrerin war. Er erzählte ihr, dass der Bericht der forensischen Pathologie in Hannover einen klaren Zusammenhang zwischen den Schlachterutensilien aus dem Betonklotz aus Hagenburg und dem Torso ausgewiesen habe. "Gotmann ist mit ziemlicher Sicherheit mit den Werkzeugen zerlegt worden. Die haben sogarFingerabdrücke gefunden. Waren aber leider nicht in unserer Kartei ." Hinter der Hauptwache am Fliegerhorst bogen sie nach links in einen kleinen Weg ein und dann sahen sie schon die Autos der Kollegen . Die Kinder hatten einen männlichen Kopf und zwei Arme und Beinegefunden. Es war zu vermuten, dass sie zu Gotmanns Rumpf aus der Leine gehörten, obwohl die zahlreichen Kleintiere des Moores schon gut gearbeitet hatten. "Gleich nach Hannover damit", ordnete die Kommissarin an. "Und sagen Sie denen, die sollen uns möglichst schnell informieren, ob das Gotmann ist. Gibt es irgendwelche Spuren? Reifen oder so?" Die Kollegen zuckten mit den Schultern. Es hatte die ganze vorhergehende Woche geregnet. "Aber dass der erschlagen worden ist, kann man wohl jetzt schon ziemlich eindeutig sagen", meinte der Mediziner vor Ort. "Hat ' n ziemlich großes Loch hinten im Schädel." Werschow lehnte am Auto und telefonierte. "Ich lasse gerade mal überprüfen, ob einer unserer Hauptverdächtigen irgendwie etwas mit `ner Schlachterei zu tun hatte oder in seinem früheren Leben vielleicht sogar mal Schlachter gewesen ist." Die Kommissarin grinste ihn frech an. "Dolores Kleinschmidts Vater hatte `ne Schlachterei in Bokeloh. Wurstmaxe wurde der Vater von den Bokelohern genannt und der Laden hieß Fleischereck, so weit ich mich erinnere. Hat Stilte mir erzählt. Du weißt doch: Nicht verzagen, Stilte fragen. Ich habe die Kleinschmidt für heute Nachmittag ins Revier bestellt." Werschow sah sie verärgert an und steckte sein Handy in die Tasche. "Und warum hast du mir das nicht vorher gesagt? Ich mein, wir sind doch `n Team, oder?" Die Kommissarin legte ihm freundschaftlich eine Hand auf die Schultern. "Hab ich vergessen, sorry.Was ist eigentlich aus den Ermittlungen um diesem verschwundenen Fischer, Cord Grüneweg geworden? Hat sich da irgendwas ergeben?" Jetzt war Werschow in der peinlichen Situation, seiner Vorgesetzten etwas beichten zu müssen. "Oh , oh, das hab ich nun leider total vergessen.Frau Grüneweg war heute noch mal da und hat angegeben, ihr Mann habe das ganze gemeinsame Konto abgeräumt und etliche seiner Klamotten fehlten auch. Sie vermutet, dass er sich abgesetzt hat, weil er wohl geschäftlich ziemlich Probleme hat und die Albaner schon bei ihm gewesen seien. Das mit Fischhändlern in Holzminden sei wohl nur ein Vorwand zum Abhauen gewesen, vermutet sie." Die Kommissarin runzelte ärgerlich die Stirn. "Eins zu eins", sagte sie. "Und, - was sagt uns das jetzt? Erweitert das den Kreis der Verdächtigen?" Werschow seufzte. "Ich fürchte ja. Wir müssen einfach noch mal sammeln. Hier können wir sowieso nichts tun und ich hab einen wahnsinnigen Hunger. Am Ortseingang nach Großenheidorn gibt's 'n schönes Lokal. Lass uns erst mal 'ne Suppe oder so was essen. Im xxxxxxxxxxx war nicht viel los und so konnten sie in Ruhe in einer Ecke das Puzzle der Ermittlungen neu zusammensetzen. Sie waren gerade beim Cappuccino angekommen, als Petra Paulus Handy klingelte. Claudia Zeller, von der EDV Abteilung, hatteeine interessante Entdeckung gemacht." "Im Gehäuse von Gotmanns Computer haben wir `ne Diskette gefunden. War mit doppelseitigem Klebeband befestigt. Scheint sowas wie ein Vermächtnis oder 'ne Absicherung für den Fall der Fälle zu sein. Müssen Sie sich unbedingt ansehen. Ich kann Ihnen das am Telefon nicht alles erzählen." Zwanzig Minuten später saßen die beiden Ermittler an Werschows Computer im Revier. Eine Datei auf der Diskette schien eine Art Protokoll zu sein, mit Zeitangaben und Daten. "Hier, sieh mal, hier ist das Schreiben, das der Gotmann dem Grüneweg vor knapp `nem halben Jahr geschickt hat." Werschow überflog murmelnd die Zeilen. 'Ich weiß jetzt, woher diese sogenannte Wasserpest kommt ' schrieb Gotmann'. "Sie, Grüneweg, haben sie durch ihre illegalen Geschäfte verursacht. Ich habe mehrfach beobachtet, dass die Fahrer der albanischen LKW , die ihnen die Aale bringen,ihre Tanks auf ihrem Hof gereinigt haben. Da ihr Betrieb direkt am Meer liegt, und das Oberflächenwasser ungeklärt ins Meer fließt hatte ich schon länger einen Zusammenhang zwischen dem Eintrag standortfremder Pflanzen und dem Ankauf der Aale vermutet. Ich habe daher vor einem Monat, kurz vor meinem geplanten Urlaub, ein nettes Gespräch mit einem der LKW Fahrer über das Leben in Albanien geführt (soweit unser Englisch reichte!) und er hat mir begeistert von seinem Heimatort Stalin am Ohridsee erzählt. Der See wachse leider immer mehr zu, so dass die Aalfarmen wohl bald schließen müssten. Dann gäbe es überhaupt keine Arbeit mehr, klagte er.Und nun raten sie mal, wo ich einen Teil meines Urlaubs verbracht habe. War wirklich nett da unten, aber der See, - ein Trauerspiel. Mörderkraut nennen die das Zeugs da. Ich hab'n bisschen davon mitgebracht und in meinem kleinen Labor zuhause untersucht. Verblüffend, die Ähnlichkeit. Und nun... Nein, keine Panik. Ich hab's niemandem erzählt. Warum sollte ich auch. Sie haben mir doch schließlich sehr geholfen. Jahrelang haben wir vom VBWI dafür gekämpft, das Meer der Natur zurückzugeben und nun scheint alles so einfach zu sein. Wer will schon von seinem Hotelfenster aus auf ein verkrautetes Meer sehen? Wer will im Kraut segeln oder surfen? Sie haben der Natur ungewollt zum Sieg verholfen. Daran werden auch die lächerlichen Versuche mit Mähbooten Schneisen in das Kraut zu schneiden nichts ändern. Das ist schon am Bodensee gescheitert. Und besonders amüsiert haben mich die Bilder von Kommunalpolitikern, die zu Wahlzeiten zwischen den Stegen im braunen Moorwasser rumtauchten und mediengeil büschelweise Wasserpest, wie es die Presse nennt, an Land brachten. Sie werden nichts ausrichten und das ist gut so. Eigentlich müssten man Ihnen, Grüneweg, einen Orden verleihen. Es ist mir natürlich klar, dass Sie diesen Brief als Bedrohung auffassen werden, zumal er auch gut als Grundlage einer Erpressung dienen könnte. Ich werde ihn daher in mehrfacher Ausführung an gut versteckten Orten deponieren, damit Sie nicht auf dumme Gedanken kommen. Ich versichere Ihnen, dass Sie von mir nichts zu befürchten haben, so lange Sie nicht selbst eine Dummheit begehen. "Pow, ganz schön harter Tobak", zischte Werschow und drehte sich suchend nach seiner Vorgesetzten um. Dabei wäre er fast mit seinen Lippen an ihren über seine Schulter gestreckten Hals gestoßen, was er mit einem süffisanten Lächeln genoss. "Wenn man das mit den neueren Schreiben von der Festplatte von Gotmanns Computer zusammen betrachtet, ist eigentlich ziemlich klar, wer zumindest das stärkste Motiv hatte, Gotmann ins Jenseits zu befördern. Gotmann scheint sein Versprechen, Grüneweg nicht erpressen zu wollen, doch nicht eingehalten zu haben." Die Kommissarin lehnte sich zurück und nickte. "Sieht fast so aus. Wir müssen unbedingt den Grüneweg finden. Gleich kommt aber erst mal die Kleinschmidt. Die hätte schließlich auch ein Motiv gehabt und nicht zu vergessen, - ihr Vater ist Schlachter gewesen. Du könntest inzwischen doch noch mal zu der Frau Grüneweg fahren und dich da mal auf dem Gelände umsehen, ob das alles mit dem Brief übereinstimmt."

 

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Dolores Kleinschmidt war, da war die Kommissarin sich am Ende des Gesprächs ziemlich sicher, wahrscheinlich nicht Gotmanns Mörderin. Sie hatte sich mit ihren, nach Einspruch des VBWI, nicht nutzbaren Booten zwar hoch verschuldet, war aber im November, zum Zeitpunkt von Gotmanns Tod, längst mit einem Unternehmen in Friedrichshafenam Bodensee über den Verkauf der Boote handelseinig geworden. Der zukünftige Besitzer wollte die Kleinschmidt sogar als Geschäftsführerin einstellen und sie hatte sich schon nach einer Wohnung vor Ort umgesehen. Warum hätte sie da einen, in ihren Augen blöden Spinner, wie Gotmann mit den Fleischerwerkzeugen ihres Vaters zerlegen sollen? Blieben also im Augenblick nur noch Uwe Most, der Gotmann und seine VBWI hasste, weil sie ihm seinen Segler- und Surfbedarfladen ruiniert hatten und Grüneweg. Immer wieder Grüneweg. Die Kommissarin hoffte, dass Werschow mit neuen Erkenntnissen zurückkommen würde, aber der Nachmittag verstrich, ohne dass Werschow auftauchte. Seine Handy verkündete nur mit sonorer Stimme, dass der Teilnehmer zur Zeit nicht zu erreichen sei. Wahrscheinlich war mal wieder der Akku leer. Petra Paulus beschloss den Tag mit einem schönen Rotwein vor der Glotze in ihrer Wohnung am Stadtgraben zu beschließen und ging durch die Lange Straße endlich mal wieder früh nach Hause. Im Weinkontor, fast neben ihrer Haustür, fand sie einen leichten Roten, mit dem sie den Abend verbringen wollte.

 

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Sie hatte noch nicht einmal die Hälfte der Flasche genossen und der Quizkandidat gerade erst die 1000 Euro Frage beantwortet, als es an der Tür klingelte. Werschow meldete sich an der Gegensprechanlage. "Ich weiß, es ist schon spät, aber ich muss ihnen unbedingt noch etwas sagen." Die Kommissarin drückte auf den Türöffner und kuschelte sich in ihren irischen Schafswollumhang Werschow sah ziemlich zerknittert aus, als er sich in den Sessel ihr gegenüber setzte und an dem ihm angebotenen Glas Rotwein nippte. "Als ich heute Nachmittag bei den Grünewegs in Steinhude ankam, muss der Grüneweg im Hinterzimmer hinter dem Büro gewesen sein. Ich hab mich gewundert, warum die Frau Grüneweg mich beim Eintreten so laut mit "Ach, Herr Kommissar, schön dass Sie da sind", begrüßte. Ich hab mir aber nichts dabei gedacht. Erst als ich mit ihr noch mal über das Verschwinden ihres Mannes sprechen wollte, hörte ich es draußen im Hof poltern und sah, wie einer über so einen Stapel Fischkisten über' n Zaun kletterte. Ich bin sofort hinterher gespurtet, aber in der Deichstraße hat er mich abgehängt und ist in einem Hinterhof verschwunden.Ich hab sofort 'neFahndung eingeleitet, aber wir haben ihn nicht gekriegt, trotz Hubschrauber mit Wärmebild und so." "Der Typ kennt sich eben..." Es klingelte wieder an Petra Paulus Tür und die beiden sahen sich überrascht an. Zögernd ging die Kommissarin zur Gegensprechanlage. "Ich muss Sie unbedingt sprechen", hörte sie eine dunkle Männerstimme am anderen Ende. "Meine Name ist Grüneweg. Ich glaube Sie suchen mich." Die Kommissarin sah Werschow überrascht an. "Und nun?", fragte sie ratlos. Werschow stand auf und sagte, sie solle Grüneweg reinlassen. Ich geh da rein?" sagte er und nahm sein Glas. Er deutete auf eine Tür neben dem Wohnzimmerschrank. Sie nickte und drückte den Haustüröffner. Grüneweg sah völlig fertig aus, als er vorsichtig in Petras Lieblingssessel glitt und sich suchend umsah. "Sind Sie allein?", fragte er und musterte den Rotwein. Die Kommissarin nickte und fragte ihn, ob er auch ein Glas wolle und ging zum Schrank, Sie sah Werschow durch einen Türspalt blinzeln und war beruhigt.. Grüneweg fuhr fahrig mit den Händen durch sein Gesicht und atmete tief. "Wo soll ich bloß anfangen?", sagte er seufzend und man sah ihm an, wie tief er in der Zwickmühle steckte. "Die ganze Geschichte ist so, so........." "Haben Sie Gotmann getötet?", fragte die Kommissarin mit fester Stimme. "Wir wissen, dass er Sie in der Hand hatte. Sie haben diese Wasserpest verursacht. Durch ihre zweifelhaften Geschäfte mit Albanien sind die Pflanzen ins Steinhuder Meer gekommen. Wir haben Gotmanns Computer...." " Dieser Irre", jaulte Grüneweg geradezu auf. "Der war doch total froh darüber. Der hatte doch Jahre lang einen Krieg gegen uns Fischer und die anderen, die vom Meer lebten, geführt. Nur für seine Scheiß-Vögel und das andere Viehzeugs. Und dann bin ausgerechnet ich derjenige, der ihm zum Sieg verhilft. Wenn das rausgekommen wäre..." Grüneweg nahm einen gierigen Schluck Rotwein und rieb sich wieder über die umränderten Augen. "Ich musste irgendwas tun. Der hatte mich total in der Hand. Ich war praktisch gezwungen meine eigene Existenz zu ruinieren. Schließlich lebe ich auch vom Meer." Die Anspannung wich aus Petra Paulus Gesicht, als sie merkte, dass dieser Grüneweg sicher keine Gefahr für sie war. "Und deshalb mussten Sie ihn...?" "Quatsch", unterbrach Grüneweg sie und richtete sich wieder etwas auf. "Ich hasse Gewalt. Ich wollte irgendwas gegen die Wasserpest tun und dann las ich per Zufall einen Artikel über die Graskarpfen im Maschsee und dass es da Probleme mit den Weihnachtskarpfen und so gegeben hatte und da kam mir die Idee, einfach mal zu versuchen, ob man die vielleicht gegen die Wasserpest..........." Im Nebenzimmer gab es plötzlich ein Geräusch und Grüneweg stand auf. Werschow erschien auf der Szene und sprang zur Flurtür, um sie zu blockieren. Grüneweg starrte ihn überrascht an. Werschow sah in das verärgerte Gesicht seiner Vorgesetzten und zuckte mit den Schultern. "Sorry"; sagte er kleinlaut. "Die Stehlampe." Grüneweg glitt schlaff zurück in den Sessel. "Ist ja auch egal", meinte er. "Ich bin sowieso erledigt. Wenn die Albaner mich kriegen........" Werschow blieb an der Tür stehen und Grüneweg trank noch einen Schluck Rotwein. "Der Gotmann hat mich erwischt, als ich nachts hinter meinem Haus Graskarpfen ins Meer setzen wollte. Der war mal wieder mit seinem Nachtsichtgerät auf Vogelzählung oder so. Er hat ein Metallrohr gegriffen und ist auf mich los, weil er unbedingt verhindern wollte, dassich die Karpfen aussetzen wollte. Wir haben gekämpft und plötzlich hatte ich das Rohr und hab zugeschlagen. Er ist auf die Deichsel von meinem Anhänger geknallt und hat sich nicht mehr bewegt. Unter seinem Kopf lief Blut raus. Ich hab ihn ins Kühlhaus gezogen, die Karpfen ins Wasser geworfen und den Hof gereinigt. Und dann hat mich die Panik gepackt. Dass das 'n Unfall war, hätte mir doch nie jemand geglaubt." Die Kommissarin drehte ihr Glas in der Hand. "Und warum haben Sie die Leiche dann zerstückelt?" "Ich war total von der Rolle und bin erst mal weggerannt. Als ich zurück kam wurde es schon hell und ich sah den Bäckergesellen von der Bäckerei nebenan ins Haus gehen. Die Fenster der Bäckerei gehen auf meinen Hof. Ich konnte die Leiche doch nicht mehr aus dem Kühlhaus holen. So liegen bleiben konnte sie aber auch nicht, weil unsere Mitarbeiter sie sonst gesehen hätten. Da kam mir die Idee, sie in einer der Tiefkühltruhen zu verstecken. Die sind aber nicht so groß und der Gotmann war ein ziemlich großer........." "Und da haben Sie ihn in handliche Stücke zerlegt. Woher hatten Sie denn das Werkzeug?" Werschow versuchte das Grauen zu versachlichen, aber so ganz gelang ihm das nicht. "Wir haben eine Fischhandlung", sagte Grüneweg. "Da gibt es jede Menge Messer und Sägen." "Und dann haben Sie............." Grüneweg kippte den Rest seines Rotweins wie Wasser runter. "Ich hab meine Gummischürze umgemacht und die Arme ,die Beine und den Kopf abgesägt. Überall war Blut auf den Fliesen. So konnte ich die Teile doch nicht so in die Truhe legen. Im Auto hatte ich noch 'ne Rolle Müllbeutel. Als die Teile dann da so `verpackt lagen, war ich plötzlich total ruhig und dachte, dass ich die Teile so auch über den Hof zum Auto tragen könnte. Das hätten ja auch Fische sein können." Die Kommissarin rieb sich mit beiden Händen durch's Gesicht. "Uns dann haben Sie die Teile in der Leine und im Moor verteilt." Grüneweg schnaufte, biss sich auf die Unterlippe und nickte. "Und später haben Sie die Werkzeuge in Beton gepackt und in Hagenburg versenkt." Grüneweg sah sie mit dunklen Augenhöhlen an. "In diesen Fernsehsendungen zeigen die immer, dass man, auch wenn man alles noch so abwäscht, trotzdem noch Spuren vom Blut oder Haaren nachweisen kann und da dachte ich..."

 

*

Den nächsten Morgen verbrachte Grüneweg schon in der JVA in Hannover. Da brauchte er auch keine Angst vor den Albanern zu haben, obwohl irgendwie auch gar nicht klar geworden war, warum er sich vor denen fürchtete. Aber das sollten doch ruhig andere klären. Der Tod des Freundes der Wasserpest war jedenfalls geklärt. Die Graskarpfen konnten zur Tat schreiten.

 

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