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Tödliches Klassentreffen von Stephan Rykena

Tödliches Klassentreffen von Stephan Rykena
Eine weiterer Krimi von Stephan Rykena als Netzversion.
Ein Klassentreffen endet mit einem tragischen Unfall oder war es Mord? Nacktbaden auf der Badeinsel kann gefährlich sein.
Wir wünschen spannende Unterhaltung!
Inhaltsverzeichnis [verbergen]
      Eine knappe halbe Stunde vorher hatte Hauptkommissarin Petra Paulus von der Wunstorfer Kripo noch im kuschelig warmen Bett gelegen und wunderschön geträumt.
      "Warum muss so was eigentlich immer nachts passieren?", murmelte sie vor sich hin, während ihr Kollege Ulli Werschow den blauen Dienstaudi mit hoher Geschwindigkeit über die L 441 nach Steinhude lenkte. Angeblich sollen doch nachts sogar die Ratten schlafen.Werschow sah sie kurz, Stirn runzelnd, an. Morgens um vier Literaturquiz - Zu früh. - Dahinten sind die Kollegen.
      Auf der Badeinsel erkannte man schemenhaft einige Leute am Ende der Brücke.

       

      Milde Septemberluft umhüllte die beiden Ermittler, als sie den Wagen, neben dem blau-silbernen Streifenwagen, am Ende der schmalen Betonbrücke parkten.
      Zwei uniformierte Polizisten standen an einer großen Holzhütte gleich rechts und begrüßten sie.
      Insgesamt waren etwa 15 mehr oder minder alkoholisierte Leute über das Terrain verteilt, von denen einige nasse Haare hatten und, in Decken gehüllt, im Gras saßen.
      "Haben Sie uns angerufen?", fragte die Kommissarin einen der Uniformierten. "Ich hab nur wenig Information bekommen. Eine Frau wird vermisst, soweit ich weiß. Haben Sie die Wasserrettung informiert?"
      Der Blick des uniformierten Kollegen verdunkelte sich. "Meinen Sie das ernst?", brummte er und sog schnaufend Luft ein. "Mein Kollege und ich sind schon seit zwanzig Jahren..."
      Die Kommissarin legte ihm lächelnd eine Hand auf den Unterarm. "Schon gut. Tut mir leid." Sie hatte es immer noch nicht ganz im Griff, den Menschen dieser Gegend in der passenden Art gegenüber zu treten.
      "Haben Sie....? - Klar, natürlich haben Sie", sagte sie nickend und fuhr sich mit dem Zeigefinger nervös über die Stirn. "Vielleicht erzählen Sie mir ganz einfach mal, was eigentlich passiert ist." Sie setzte sich auf einen Holzpfahl und ließ den Blick über die Badeinsel schweifen. Kollege Werschow stand mit einem Notizblock in der Hand bei einer Gruppe von Leuten und schrieb eifrig. Die Kommissarin fingerte eine Packung Kaugummis aus der Hosentasche und bot dem Polizisten eines an. Zehn Minuten später kannte sie zumindest eine Version der Geschichte des Verschwindens von Katrin Kohn, der 43-jährigen Verlagskauffrau aus Bremen.

       

      Werschows Sammlung ergab gleich mehrere Varianten des Zeitpunktes, an dem die Vermisste das letzte Mal gesehen worden war. Aber im Großen und Ganzen ergab die Befragung ein ähnliches Bild.
      Vierundzwanzig ehemalige Schüler des Wunstorfer Hölty-Gymnasiums hatten sich, 25 Jahre nach dem Abitur, am Nachmittag um 17.00 Uhr am Schulgebäude in der Hindenburgstraße getroffen, um in den erwürdigen Räumen in vielen "Weißt-du-nochs" und "Ich-kann-mich-noch-genau-erinnern" zu schwelgen und alte Geschichten aufzuwärmen.
      Die Einladung hatte ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Treffen "ohne Anhang", also ohne Ehemänner und -frauen stattfinden sollte, weil der alte Geist der guten Klassengemeinschaft wiederbelebt werden sollte und da störten Außenstehende bloß. Nur Katrin und Jochen Kohn hatten sich nicht an diese Abmachung halten können. Sie waren schon zu Schulzeiten ein Paar gewesen und sie hatten es glatt all die Jahre miteinander ausgehalten. Länger als alle anderen, die zum Teil mehrfach geschieden waren oder lieber gar nicht erst eine feste Bindung eingegangen waren.
      Um 19.00 Uhr war man gemeinsam zum Essen und Klönen ins Cassis in Steinhude gefahren und es war ein kurzweiliger Abend geworden. Alle waren bester Laune gewesen. Die laue Spätsommernacht, das schicke Buffet und reichlich Getränke schafften ideale Bedingungen für nette Gespräche nach so vielen Jahren.
      Einige waren sogar nach draußen gegangen, um der Hitze im Lokal zu entfliehen oder nur um mit einigen, ihnen ganz besonders ans Herz gewachsenen Mitschülern, Zweier- oder Dreiergespräche in frischer Luft zu führen. Bald waren die Leute über das ganze Gebäude verteilt gewesen, drinnen und draußen. Irgendwann hatte der Wirt das Lokal schließen wollen und Siemen Peters hatte vorgeschlagen, einen Brauch aus alten Schülerzeiten wieder zu beleben.
      Nacktbaden an der Badeinsel.
      In der Oberstufe hatten etliche rauschende Partys erst im Morgengrauen ihr, - nicht immer unerotisches, - Ende beim Nacktbaden im Steinhuder Meer gefunden.

      Fünfzehn der Jubiläums-Mittvierziger hatten sich schließlich, ziemlich alkoholisiert und bester Stimmung, um drei Uhr morgens auf der Badeinsel am Steg neben der Brücke, in die braunen Fluten des Binnenmeeres gestürzt und herumgealbert, als wären Tage und nicht 25 Jahre seit dem Abitur vergangen.
      Katrin Kohn hatte irgendwann die Parole: "Los, wir schwimmen um die Insel zum Strand" herausgegeben und die meisten waren ihr, laut grölend, gefolgt.

       

      "Ziemlich aussichtslos in der braunen Brühe jemanden im Dunkeln zu finden", sagte Werschow bei einem ersten Brainstorming am Steg zu seiner Vorgesetzten und nickte in Richtung Wasser, auf dem ein Boot mit einem Scheinwerfer seine Runden drehte. "Wenn die wirklich in der Dunkelheit mit 'ner Flasche Rotwein oder mehr im Blut plötzlich abgesoffen ist, kannste das vergessen. Dann muss man warten, bis der Moorboden die Leiche wieder frei gibt."
      Er sah seine Kommissarin Schulter zuckend mit müden Augen an. "Ich denke, wir lassen uns heute nur die Personalien der Leute geben und bestellen sie für morgen Vormittag aufs Revier. Vielleicht weiß die Rettung ja bis dahin mehr. Sieht doch alles nach einem Unfall aus?

       

      Am nächsten Morgen traf eine, mit Schweinsäuglein bestückte, Kommissarin auf einen nicht minder verschlafen aussehenden Kollegen Werschow im Revier an der Wunstorfer Amtsstraße.
      Die Suchmannschaft hatte die nächtliche Suche nach zwei Stunden abgebrochen und im Morgengrauen mit einem Hubschrauber wieder aufgenommen.
      Von Katrin Kohn fehlte aber immer noch jede Spur. "Fünf von den Leuten von der Badeinsel sitzen schon da draußen", sagte die Kommissarin und goss Wasser in die Kaffeemaschine. "Ich fang mal mit dem Ehemann der Vermissten an. Du kannst dir ja so nach und nach..."
      Werschow ging ins Nebenzimmer und rief eine der Frauen der Gruppe herein. Ein paar Minuten später klopfte er an Petra Paulus' Vernehmungszimmer und bat sie herauszukommen.
      "Mein Gespräch gerade ist`n bisschen überraschend verlaufen", sagte er und biss sich auf die Unterlippe. "Diese Emma Kolau, eine von diesen Nacktbadern von gestern Abend, glaubt nicht, dass das Ganze ein Unfall war. Sie behauptet gesehen zu haben, dass die Vermisste, kurze Zeit bevor sie verschwand, im Schilf pikante Spielchen mit einem gewissen Siemen Peters aus der Gruppe gespielt habe und dass der Ehemann der Vermissten, vom Ufer aus, das auch gesehen oder zumindest gehört haben muss." Die Kommissarin sah ihren Kollegen forschend an.
      "Du meinst, die haben da im Wasser..."
      "Behauptet Frau Kolau. Sie sagt, das sei ziemlich eindeutig gewesen." Die Kommissarin gab einen überraschten Pfiff ab. "Und was sagt uns das?"
      Sie beschloss, den ungewöhnlich gefassten Ehemann der Vermissten direkt mit den neuen Erkenntnissen der Vernehmung zu konfrontieren, während Werschow die anderen der Gruppe befragte.

      Jochen Kohn, der Ehemann der Vermissten, gab zwar zu, dass seine Ehe mit Katrin in den letzten Jahren durch einige Höhen und Tiefen gegangen war und dass Siemen Peters und seine Frau in der Oberstufe einmal, für kurze Zeit, zusammen gewesen seien, verwies aber die Behauptung seiner früheren Mitschülerin Emma Kolau, seine Frau und Peters hätten beim Baden auf der Insel sexuelle Kontakte gehabt in das Reich ihrer blühenden Fantasie.
      "Emma ist schon immer ein Tratschweib gewesen", sagte er und zeigte zum ersten Mal Anzeichen von Betroffenheit. "Schon in unserer Schulzeit hat sie laufend Ärger gehabt, weil sie Leuten was angedichtet hat. Meine Frau hielt Siemen Peters für einen Aufschneider, der mit windigen Geschäften ziemlich viel Geld gemacht hat." Er schwieg einen Moment und nickte dann heftig mit dem Kopf.
      "Ein Aufschneider, - ja, genau das waren ihre Worte, als wir gestern Morgen im Eiscafe Martini saßen und über das Klassentreffen sprachen. Ich hab keine Ahnung, warum Emma so einen Schwachsinn behauptet. Katrin und ich... Er brach den Satz ab und rieb sich mit beiden Händen durch's Gesicht. "Wir, - wir liebten uns..."

       

      Am Mittag waren die Vernehmungen der "Nacktbader von der Badeinsel", wie Werschow sie inzwischen nannte, abgeschlossen. Jochen Kohn war mit der Auflage, sich für weitere Befragungen bereit zu halten, entlassen worden. Er war darüber ziemlich empört gewesen und hatte gesagt, er habe sowieso nicht vor die Stadt, ohne etwas über den Verbleib seiner Frau zu wissen, zu verlassen. Als Adresse hatte er den Wohnmobilplatz in Steinhude angegeben.

       

      Die Befragung der restlichen Beteiligten hatte die Ermittler nicht weitergebracht. Niemand konnte oder wollte Emma Kolaus Behauptung, Katrin Kohn habe in der Dunkelheit im Schilf intime Kontakte mit ihrem früheren Klassenkameraden Siemen Peters gehabt, bestätigen.
      Die schienen das aber auch nicht so tragisch zu nehmen. Zwei haben sogar gesagt, das sei früher auch kein Problem gewesen, wenn sie nach Partys noch zum Meer gefahren seien. Normalerweise sei man im Dunkeln nach Großenheidorner Strand oder nach Hagenburg gefahren, habe alle Klamotten von sich geschmissen und sei, meistens nur von einigen Glühwürmchen beleuchtet, ins Wasser gesprungen. Danach habe man sich erst am Ufer wieder getroffen.
      Wer inzwischen was mit wem im moorigen Wasser getrieben habe, habe niemanden interessiert. Und verloren gegangen sei normalerweise auch niemand." Die Kommissarin grinste. Ganz schön heiße Typen. Aber das hilft uns jetzt auch nicht weiter. Haben wir nun einen Fall oder einen ganz simplen Badeunfall? Was hat denn dieser Siemen Peters zu der ganzen Sache gesagt? Ich meine...?
      "Oh Gott", stöhnte Werschow. "Hast du den denn nicht....? Petra Paulus sah ihren Kollegen blitzend an. "Ich dachte, du hättest?!" Sie riss die Tür auf und sah auf den leeren Flur. "Ist der denn überhaupt hier gewesen?" Sie zog die Tür nachdenklich zu.
      "Oh Mann! Da haben wir wohl `nen ganz schönen Bock geschossen. Wir müssen sofort zu der Adresse, die der uns gestern Abend auf der Insel gegeben hat. Hier, - Hotel Wehrmann an der Kolenfelder Straße." Sie nahm ihr Handy und zog Werschow zur Tür.

       

      "Herr Peters ist heute Morgen um sechs abgereist. Er ist mit dem Taxi abgeholt worden", sagte die nette Mittdreißigerin hinter der Theke im Frühstücksraum des Hotels. "Ich glaub er wollte zum Bahnhof." Die beiden Kommissare sahen sich überrascht an.

      Langsam wurde aus dem Badeunfall wohl doch eine mysteriöse Geschichte. Moderne Kommunikationsmittel machten es möglich, dass die Ermittler schnell den Taxifahrer fanden, der Siemen Peters gefahren hatte.
      Allerdings nicht zum Bahnhof, wie die Frau im Hotel Wehrmann geglaubt hatte, sondern zum Hotel Berlin in Steinhude.

       

      Auf der Hagenburgerstraße war nicht viel los und so waren die beiden Polizisten schnell in Steinhude.
      "Herr Peters ist vor ein paar Minuten aus dem Haus gegangen", sagte die junge Frau an der Rezeption. "Ich glaub, er ist zum Wasser gegangen. Sah aus, als wollte er joggen"
      Die beiden Polizisten sahen sich einen Moment fragend an. "Wie sieht der Mann aus? Ich meine, was hatte er an?"

       

      Fünf Minuten später kurvte Werschow mit dem Mountainbike der Frau durch den Ort und spähte in alle Richtungen. Er musste sich entscheiden.
      Mit ein bisschen Glück sollte der Zweimetermann mit dem weißen T-shirt und der schwarzen Baseballkappe, der, nach Angabe der jungen Frau, das Zimmer schon zwei Tage zuvor gemietet hatte, doch zu finden sein.
      Werschow hielt etwas ratlos an der Friedenseiche an und fuhr dann in Richtung Kirche. Die Kommissarin folgte ihm im Auto. Sie waren schon an der Kirche angekommen und Werschow dachte gerade, dass seine Entscheidung in östlicher Richtung zu suchen wohl falsch gewesen sei, als er einen groß- gewachsenen Jogger mit weißem T-Shirt, ein Stück weiter vor sich, in Richtung Hochhaus rennen sah.
      Er gab der Kommissarin im Auto ein Zeichen und radelte hinterher. "Herr Peters!"
      Der Jogger hielt an und drehte sich überrascht um, als er seinen Namen hörte. Er erkannte den Polizisten und atmete tief durch. Er versuchte gar nicht lange zu erklären, warum er nicht zur morgendlichen Vernehmung gekommen war, sondern überraschte die beiden Ermittler mit einer Geschichte, die die Unfalltheorie im Zusammenhang mit Katrin Kohns Verschwinden weder bestätigte, noch widerlegte, solange keine Leiche gefunden wurde.
      "Mein Auto müsste dahinten an der 'Hafenklause' stehen. Ich hab es da gestern Mittag für Katrin abgestellt." Die Kommissarin sah ihn verständnislos an.
      "Ja, ich weiß. Die Sache hört sich verrückt an, aber vielleicht klärt sich ja alles auf, wenn der Wagen nicht mehr da ist."

       

      Kurze Zeit später öffnete Peters den Kofferraum seines grünen BMW und sah prüfend hinein.
      "Sie, - sie ist nicht hier gewesen", stotterte er und starrte einen Moment überrascht in den Hohlraum. Er wühlte in einer Plastiktüte und hielt dann, scheinbar ziemlich verzweifelt, ein grünes T-Shirt hoch. Sonst hätte sie doch wenigstens die Kleider...

      Siemen Peters tischte den beiden Ermittlern eine wirklich abenteuerliche Geschichte auf. Katrin Kohn und er hatten seit zwei Jahren ein Verhältnis, von dem Katrins Ehemann angeblich wusste. Jochen Kohn leitete ein Maklerbüro in Berlin und kam nur an den Wochenenden nach Hause nach Bremen und selbst dann hatte er so gut wie nie Zeit oder Lust irgendetwas mit seiner Frau zu unternehmen. Sie hatten sich eigentlich nichts mehr zu sagen und Katrin wollte die Scheidung, aber Jochen Kohn hatte das immer kategorisch abgelehnt.
      "Nur über unsere Leichen", hatte er einmal in einem Ton gesagt, der Katrin Angst gemacht hatte. Es hatte sehr bestimmt geklungen. Er hatte ihr sogar verbieten wollen, zu dem Klassentreffen nach Wunstorf zu fahren, weil er selbst wegen eines dringenden Termins nicht fahren konnte. Natürlich wusste er, dass Siemen Peters auch da sein würde. Irgendwie hatte er dann doch den Termin freigeschaufelt und war mitgekommen, wahrscheinlich um die direkte Konfrontation mit seinem Nebenbuhler zu suchen und seine Frau zu kontrollieren
      "Katrin konnte das alles nicht mehr ertragen und so schmiedeten wir Pläne, wie wir das Problem lösen konnten, ohne ihrem Ehemann die geringste Chance zu lassen, ihr irgendwelche Schwierigkeiten zu machen. Ein Plan war, dass Katrin beim Klassentreffen im Dunkeln auf dem Steinhuder Meer über Bord gehen sollte und sich dann hierher zu meinem Wagen..."
      Werschow unterbrach ihn überrascht. "Über Bord? Frau Kohn ist doch beim Baden an der Badeinsel..."
      "Ja, ja, natürlich. Aber ursprünglich sollte das Klassentreffen auf einem dieser Fahrgastschiffe mit einem Essen auf dem Meer stattfinden. Auf der Rückfahrt wollte Katrin in der Nähe des Ufers?.? Werschows Handy klingelte. Er ging ein paar Meter auf der Straße entlang.
      ?Man hat die Leiche von Frau Kohn gefunden?, sagte er ernst, als er wieder zu den beiden anderen zum Wagen zurückkehrte. ?Ich glaube, wir setzen das Gespräch besser in unserem Büro fort. Steigen Sie bitte ein. Wir nehmen Sie mit. Die Spurenermittlung wird Ihren Wagen holen.?

       

      Auf dem Revier wurde die verrückte Geschichte des tödlichen Klassentreffens dann etwas klarer.
      Peters hatte seinen Wagen für seine Geliebte, Katrin Kohn, an der 'Hafenklause', einem kleinen Lokal, direkt am Wasser, deponiert. Alles sollte so aussehen, als sei sie beim Klassentreffen auf dem Ausflugsdampfer betrunken über Bord gefallen und ertrunken. Sie wollte sich in der Dunkelheit zu Peters Wagen durchschlagen und mit trockenen Kleidern zum Hotel Berlin fahren, wo ihr Liebhaber Peters, ein Zimmer für Herrn und Frau Peters gemietet hatte. Nachdem die Suche nach Katrins Leiche erfolglos abgebrochen worden war, wollten Peters und sie...
      Aber der Plan war am Treffpunkt der Jubilare, am Anleger, schlagartig zu Makulatur geworden, weil die Maschine des Schiffes einfach nicht anspringen wollte. Kurz entschlossen war die ganze Gesellschaft ins Cafe Cassis gegangen, dessen Wirtin blitzschnell ein nettes, kleines Essen zauberte und froh über die unverhoffte Einnahme war. Tja, und dann war Peters auf die glorreiche Idee mit dem Baden an der Badeinsel gekommen, gleich gegenüber der 'Hafenklause', an der sein Wagen parkte.
      Plan B schien mindestens ebenso genial wie Plan A zu sein, zumal so viele Klassenkameraden Lust auf ein prickelndes Bad im Moorwasser in schwüler Spätsommernacht gehabt hatten. Die alles verschlingende Dunkelheit und der viel kürzere Weg zu Peters Wagen?-
      Plan B war todsicher und so einfach gewesen. Im plätschernden Wasser des Meeres hatten Katrin Kohn und Siemens Peters sich schon mal einen leidenschaftlichen Vorgeschmack auf das gegönnt, was bald in ihrem gemeinsamen Leben...

       

      "Frau Kohn wollte also beim gemeinsamen Schwimmen in der Dunkelheit verschwinden und sich zu ihrem Auto begeben, wenn ich das richtig verstanden habe. Und dann wollte sie mit Ihrem Wagen von der Hafenklause zum Hotel Berlin fahren?" Peters nickte zusammengesunken und atmete tief. Er murmelte ein paar unverständliche Worte. Die Kommissarin bat ihn deutlicher zu sprechen. "Wir hatten ziemlich viel getrunken und sie musste durch die ganzen Boote an den Stegen durchschwimmen. Ich hab ihr noch gesagt, sie solle aufpassen." Er schluchzte und stützte den Kopf auf beide Arme.

      Es klopfte und ein Bote brachte eine Mappe mit dem endgültigen Obduktionsbericht. Die Kommissarin überflog ihn.

      Katrin Kohn hatte einen Schädelbruch und Moorwasser in der Lunge. Sie war ertrunken. In einer Kopfwunde waren dunkelbraune Holzsplitter gefunden worden. Zahlreiche Schürfwunden an Waden und Fersen enthielten Gras- und Schotterreste. Im Achsel- und Unterbrustbereich gab es mehrere Hämatome. Die Schürfwunden und Hämatome lassen die Vermutung zu, dass das Opfer über Schotter und eine Wiese geschleift worden ist. Der Schädelbruch konnte durch einen Schlag oder die Kollision mit einem hölzernen Gegenstand im Wasser hervorgerufen worden sein.

       

      Kommissarin Paulus beschloss, Peters mit dem Ergebnis der Obduktion zu konfrontieren. "Einiges deutet darauf hin, dass Frau Kohn nicht durch einen Unfall...." Peters sprang auf, ballte die Fäuste und sah die Kommissarin mit Furcht erregendem Blick an. "Dieses Schwein!", schrie er und trat gegen einen Stuhl. "Dieses Schwein! Katrin hatte..." Er brach den Satz ab und stürmte zur Tür. Werschow reagierte blitzschnell und schnitt ihm den Weg ab. "Ich bring ihn um!" Werschow rangelte kurz mit Peters und drängte ihn in den Raum zurück. Peters wurde kleinlaut und weinerlich, sackte schließlich auf einem Stuhl zusammen.

      "Kohn hat sie umgebracht. Er wollte..." Peters atmete tief und sah hektisch im Raum umher. "Er hat Katrin mehrfach gedroht, dass er sie umbringen würde. Er wollte sie um keinen Preis gehen lassen. Darum hatten wir uns ja auch die Sache mit dem Verschwinden ausgedacht. Wir wollten doch in Neuseeland..."
      Er starrte auf seine Fäuste und schüttelte verzweifelt den Kopf. "Sie müssen Katrins Mann..." Die Kommissarin erklärte ihm, dass ja noch gar nicht feststehe, dass es sich um Mord handele und dass es keinerlei Hinweise auf Jochen Kohn als Tatverdächtigen gebe, außer, dass er ihr, nach Peters Angaben, schon einmal gedroht habe.

      Nachdem Siemen Peters sich etwas beruhigt hatte, ließen ihn die Kommissare mit einem Streifenwagen zum Hotel Berlin fahren. Sein BMW war noch bei der kriminaltechnischen Untersuchung in Hannover.

      "Ziemlich verrückt die ganze Geschichte, oder..., sagte Werschow und fuhr sich mit den Händen durchs kurze Haar. "Ich muss irgendwo erstmal was essen. Ich hab seit heute Morgen nur einen Joghurt gehabt. Hast du keinen Hunger?" Seine Kollegin lächelte ihn an. "Okay", sagte sie. "Hab neulich in Steinhude in der "Bauernstube" gegessen. War sehr gut. Dann könnten wir hinterher noch zu diesem Wohnmobilplatz fahren und den Kohn in seinem Wohnmobil mit den neuesten Ergebnissen konfrontieren." Werschow nickte etwas verkniffen. Eigentlich hatte er auf ein gemütliches Ausklingen des Tages mit seiner schicken Vorgesetzten gehofft. So würde es wohl mehr ein Arbeitsessen werden

      Die beiden Ermittler genossen gerade auf der Terrasse der "Bauernstube" ihren Steinhuder Räucheraal mit Bratkartoffeln, als sie, in nicht allzu weiter Entfernung, gleich mehrere Martinshörner hörten, die näher kamen. Werschow legte den Kopf leicht schief und verzog den Mund. "Feuerwehr", stellte die Kommissarin fachmännisch fest und nippte an ihrem alkoholfreien Weizenbier. "Gehörst du da nicht auch zu?" Sie grinste frech über den Rand des Glases und wartete auf eine Reaktion.
      Kollege Ulli hatte ihr mal erzählt, dass er als Jugendlicher begeistert an etlichen Feuerwehr- wettkämpfen in ganz Niedersachsen teilgenommen hatte und dass seine Kumpels und er immer zu den besten gehört hatten.
      Er hatte ihre kleine Stichelei schon begriffen und lächelte herausfordernd zurück, wobei er sein Kinn auf Hand stützte. "Man kann eben nicht überall sein", sagte er schließlich. "Manchmal muss man sich eben entscheiden. Und im Übrigen: Ich erzähl dir nie wieder was aus meinem Leben!"
      Der Kellner kam und räumte die leeren Teller ab. "Auf dem Wohnmobilplatz soll's ganz schön geknallt haben", sagte er beiläufig und balancierte das Geschirr auf dem Unterarm. "Kann ich Ihnen noch einen Nachtisch bringen?"
      Der Lärm der Martinshörner schien nicht nachzulassen und die Kommissarin sah den Kellner fragend an. "Auf dem Wohnmobilplatz sagten Sie? Woher wissen Sie das?"
      "Meine Frau hat oben vom Fenster aus eine Rauchsäule über dem Platz aufsteigen sehen", beeilte sich der Mann zu sagen, um nicht in den Verdacht zu geraten, er habe den Polizeifunk abgehört. Die Kommissarin runzelte nachdenklich die Stirn, während der Kellner das Geschirr ins Haus brachte.
      "Wir wollten doch noch zu unserem Freund Kohn", sagte sie schließlich. "ielleicht sollten wir uns langsam mal auf den Weg machen, bevor die Katastrophentouristen die ganzen Straßen blockiert haben."

       

      Trotz Blaulichteinsatzes dauerte es einige Minuten, bis sie zur Einfahrt des Wohnmobilplatzes am Ortsausgang von Steinhude vorgedrungen waren. Dort erfuhren sie, dass sie ziemlich unmittelbar an der Katastrophe beteiligt waren.
      Gleich vorne, auf dem schön angelegten Platz, standen drei ausgebrannte Wohnmobile, von denen das Mittlere aussah, als sei es von einer Bombe zerfetzt worden. Von den beiden anderen waren wenigstens noch die Aluminiumskelette zu erkennen.
      "Wir haben noch keinen genauen Überblick", erklärte der Einsatzleiter Kommissar Werschow. "Aber es gibt drei Schwerverletzte und eine verkohlte Leiche im mittleren Fahrzeug." Er deutete auf den kleinen, schwarzen Metallhaufen, der der Auslöser des Brandes gewesen war. "Die Verletzten sind schon auf dem Wege nach Hannover. Schwere Brandverletzungen, soweit ich das beurteilen kann. Muss `ne Gasexplosion gewesen sein, so wie das aussieht."

      Vom Platzwart des Wohnmobilplatzes erfuhr Werschow wer auf Platz 17 gestanden hatte. "Das war Kohns Wohnmobil", erklärte er seiner Vorgesetzten, die an einem Baum am Randes des Platzes lehnte und atmete tief aus. "Bestimmt kein Zufall, diese Gasexplosion." Die Kommissarin nickte.
      "Meinst du, dass der Peters...?" Sie kräuselte die Nase und sah Werschow fragend an. Er liebte diesen Blick und grinste frech. Ihre Augen blitzten ihn, unerwartet Funken sprühend, an. "Wohl kaum der richtige Ort zum Baggern, oder?", sagte sie ernst und lief ein paar Schritte in Richtung Brandort. Plötzlich drehte sie ab und ging schnell zu ihrem Wagen.
      "Ich fahr zum Hotel Berlin!", rief sie Werschow zu. "Versuch bitte raus zu finden, ob der Tote wirklich Kohn war!" Werschow sah ihr überrascht nach, während sie sich in den dunkelblauen Audi schwang und zur Ausfahrt des Platzes jagte. Eine Viertelstunde später preschte der Wagen, genauso forsch, wieder auf den Wohnmobilplatz.
      "Peters hat gleich, nachdem ihn die Kollegen ins Hotel gebracht hatten, das Haus wieder zu Fuß verlassen. Sind ja nur ein paar Meter bis hierher zum Campingplatz", sagte sie und Werschow nickte. Er streckte ihr seine rechte Hand mit einem blitzenden, metallenen Gegenstand entgegen. Sie nahm ihn und sah ihn sich an. Es war eine Uhr.
      "Ist von der verkohlten Leiche", sagte Werschow. ?Muss wohl unter dem Körper gelegen haben und ist daher so gut in Schuss. Genau so eine Uhr hatte der Peters. Hier, ich hab die gleiche." Er hielt der Kommissarin seine Uhr entgegen. - Ist 'ne limitierte Sonderausgabe von der Dresdener Frauenkirche. Ich hab auch so'n Teil."
      Werschows Handy klingelte. "Mh, mh. Das ist ja interessant?, hörte ihn die Kommissarin sagen. Und, - könnt Ihr schon was zu dem Toten von dem Wohnmobilplatz hier sagen?" Er nickte ein paar Mal und steckte dann das Handy in die Jackentasche. "Passt doch", meinte er und sah Petra lächelnd an. "Der Tote ist nicht Kohn, sondern Peters. Kohn haben sie in die MHH geflogen. Hat schwere Verbrennungen und ist nicht ansprechbar. Wird wahrscheinlich kaum überleben. Die beiden anderen Verletzten sind Feriengäste aus Unna.
      Ach ja, und die Holzsplitter in Katrin Kohns Kopfwunde sollen von einem bearbeiteten und gefärbten Tropenholz stammen, wahrscheinlich einer Skulptur oder etwas Ähnlichem. Farbpartikel von diesem Holz hat die kriminal-technische Untersuchung auch im Kofferraum von Peters BWM, der ja nicht weit von der Fundstelle der Leiche Karin Kohns an der Hafenklause in Steinhude geparkt war, gefunden. Das Holz selbst allerdings nicht." Die Kommissarin sah ihren Kollegen nachdenklich an. "Also doch Mord und keine Kollision mit einem Gegenstand im Wasser?. Irgendwas haben wir übersehen. Wir müssen das Ganze noch mal Schritt für Schritt durchgehen." Sie biss sich auf die Unterlippe und nickte.
      Werschow rollte kurz mit den Augen und lächelte keck. Plötzlich machte er einen Schritt nach vorn, hakte seine überraschte Kollegin unter und schob sie in Richtung Straße. "Wir werden das Puzzle jetzt bei einem schönen Milchkaffee im Scheunenviertel Stück für Stück zusammensetzen. Ich geb einen aus."
      Petra Paulus leistete keinen Widerstand und genoss, unauffällig schnuppernd, seinen Geruch während des kurzen Spaziergangs. Im Café war nicht viel los, aber das Hauptthema der wenigen Gästen war natürlich der Wohnmobilbrand.
      Die beiden Ermittler setzen sich an einen Tisch direkt am Fenster und bestellten Milchkaffee und Apfelkuchen. Am Nachbartisch saßen zwei, in blaue Wolken eingehüllte Männer in Jogginganzügen hinter ihren Weißbiergläsern.
      "Also, isch hab ja jleich zu meiner Paula jesacht?" sagte der jüngere.und nahm einen tiefen Zug aus seinem Glas. "Diese Typ da, aus dem explodierten Wohnmobil, der war mir jleich komisch. Der hat vorjestern zwei neue Jasflaschen mit seinem Roller jeholt." Er zog an seiner Zigarette und inhalierte den blauen Dunst tief. Also nun erzähl mir mal einer, wozu der jleich zwei."
      Die Kellnerin kam und brachte den Kuchen und den Kaffee.
      Werschow zog einen Block aus der Innentasche und zeichnete eine Art Soziogramm.
      Also. Der Peters und Kathrin Kohn hatten vor, einen Badeunfall zu inszenieren, damit die Kohn von ihrem Mann loskam, weil der sich auf keinen Fall von ihr trennen wollte. Der Peters hatte dafür seinen Wagen mit Klamotten für seine Geliebte, an der Hafenklause deponiert. Die Kohn sollte beim nächtlichen Baden verschwinden und mit neuen Klamotten und Peters Auto zum Hotel Berlin fahren, wo Peters ein Zimmer gemietet hatte. Dann wollten die beiden nach Neuseeland abhauen.
      Werschow tippte mit dem Stift auf den Tisch und schüttelte den Kopf.
      "Was für ein schwachsinniger Plan", sagte er und grinste. "Was wäre denn passiert, wenn das Personal im Hotel...?" "Darüber brauchen wir jetzt, glaub ich, nicht zu spekulieren", unterbrach ihn die Kommissarin. "Peters ist tot und Katrin Kohns Ehemann liegt mit schweren Verbrennungen in der Klinik. Wir müssen doch nur wissen, ob einer von den beiden die Kohn umgebracht hat und wenn das so ist, wer das war. Denn wenn es der Ehemann war und wenn der das Ganze vielleicht doch noch überlebt?" Werschow leckte seinen Milchschaumlöffel ab und nickte. "Hartes Brot", sagte er und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. "Das heißt also, wenn der dann irgendwann mal, völlig verstümmelt, nach der dreißigsten Hauttransplantation aus dem Krankenhaus entlassen wird, kriegt der auch noch einen Mordprozess angehängt, wenn wir jetzt irgendwie noch beweisen können, dass der seine Frau umgebracht hat."
      Seine Vorgesetzte sah ihn überrascht an. Was hab ich denn jetzt davon zu halten? Erinnere dich bitte daran, dass wir bei der Kripo sind und in einem Mordfall ermitteln und nicht bei der Telefonseelsorge. Das Ganze setzt außerdem immer voraus, dass überhaupt einer der beiden die Kohn ermordet hat. Vielleicht sollten wir mal überlegen, ob nicht auch noch ein anderer von diesen Nacktbadern in Frage kommt.
      Ulli stützte sein Kinn auf seine rechte Hand und beugte sich ein Stück vor, so dass sein Gesicht sehr nah an ihrem war. "Das meinst du jetzt nicht im Ernst?", sagte er. "Genau das hab ich früher immer an diesen Hitchcock Krimis im Fernsehen gehasst. Da ermittelte die Polizei immer achtundachtzig Minuten lang in einem ganz bestimmten Kreis von Verdächtigen und es wurden zwanzig Spuren gelegt, die die Zuschauer mitverfolgen durften und dann war es am Ende irgendein völlig anderer, der in der ganzen Geschichte noch nie vorgekommen war. Total ätzend!"

      Die Kommissarin lachte laut los und streichelte ihm mit einer Hand die Wange.
      "Oh, armer Ulli", sagte sie wie zu einem kleinen Jungen. "Und du möchtest jetzt, dass das in der realen, bösen Welt alles viel eindeutiger ist?" Er fühlte sich zwar etwas auf den Arm genommen, genoss aber ihre weiche Hand auf seiner Wange so sehr, dass er schwieg und tief in ihre blass-blauen Augen sah. Einen Moment spielte sie das knisternde Spielchen mit, dann hatte sie sich aber wieder so weit im Griff, dass sie sich zurücklehnte und sagte: "Ich denke, du solltest du morgen mal nach Hannover zur Medizinischen Hochschule fahren. Vielleicht ist der Kohn ja doch irgendwie ansprechbar. Ruf aber vorher an. Wenn der im Koma liegt, bringt uns das auch nicht weiter."

       

      Die nächsten beiden Tage brachten keinen Fortschritt, zumal Kohn wirklich im Koma, wenn auch in einem künstlichen, lag.
      Die Ermittlungen an dem explodierten Wohnmobil hatten ergeben, dass die Küchenzeile des Fahrzeugs mit dem Herd vor der Explosion durch einen äußeren Einfluss aus der Wand gerissen worden war, wobei die Gasleitung gebrochen war. Das Gas hatte sich wahrscheinlich durch das Anspringen des Kühlschranks entzündet. Erst am dritten Tag nach der Einlieferung war Kohn ansprechbar. Die Ärzte gaben ihm allerdings kaum eine Überlebenschance. Werschow fuhr nach Hannover, und als er zurückkam, war der Fall "der Nacktbader von der Badeinsel" so gut wie geklärt.
      "Sieht übel aus,", meinte er, als er mit seiner Vorgesetzten im ihrem gemeinsamen Büro in Wunstorfer Amtsstraße über seinen Besuch bei Kohn sprach.
      "Die Ärzte geben ihm höchstens 10 Prozent Überlebenschance. Und das weiß er und darum hat er mir, unter wahnsinnigen Mühen, quasi gestanden, dass er seine Frau umgebracht hat.
      Er hat sie an dem Abend an der Badeinsel wohl keinen Moment aus den Augen gelassen und natürlich gesehen, dass sie mit dem Peters rumgemacht hat. Und als die sich getrennt haben, wollte er erst den Peters umbringen, aber der ist gleich zu einer Gruppe anderer Leute geschwommen. Kohn wollte dann zu seiner Frau, hat aber gesehen, dass sie sich ziemlich weit von der Gruppe entfernt hatte und dann splitternackt auf einen der Stege geklettert ist. Er ist ihr in der Dunkelheit gefolgt und hat gesehen, dass sie nackt über den Steg zur 'Hafenklause' gelaufen ist. Sie habe sich kurz umgesehen und dann habe sie hinter den Vorderreifen eines BMW gegriffen, der da auf dem Parkplatz stand. Sie habe den Kofferraum geöffnet und etwas gesucht.
      Kohn hat sich dann zu dem Wagen gepirscht und seine Frau zur Rede gestellt. Sie sei völlig in Panik gewesen und habe noch mal in den Kofferraum gegriffen und plötzlich mit einem schweren Gegenstand auf ihn eingeschlagen. Er habe ihr den Gegenstand entrissen und ihr auf den Kopf geschlagen. Sie sei sofort zu Boden gefallen und er habe gedacht, dass sie tot sei. Er sei in Panik geraten, habe sie zum Steg geschleift und ins Wasser geworfen. Dann habe er noch seine Spuren beseitigt. Den Gegenstand, so eine Art Holzskulptur, habe er zwischen die Stege geworfen und den Kofferraum zugeschlagen. Dann sei er durchs Wasser zu der Gruppe zurück geschlichen." Die Kommissarin hatte ihrem Kollegen aufmerksam zugehört. "Und wieso glaubte der Peters zu wissen, dass der Kohn seine Frau umgebracht hatte. Ich meine, der wird doch wohl nicht zum Kaffeetrinken zu dem ins Wohnmobil?"
      "Kannst du dich genau an die Situation erinnern, als der Peters den Kofferraum seines Wagen geöffnet hat?", fragte Werschow. "Der hat doch einen Moment ziemlich überrascht auf den Inhalt geguckt und uns dann ein T-shirt präsentiert, dass da angeblich für Kathrin Kohn bereit gelegen hatte. Und in dem Moment hat der uns ganz schön gelinkt.
      In dem Kofferraum muss nämlich der Zweitschlüssel, den Kathrin Kohn zum Öffnen des Kofferraums unter dem Auto-Rad hervorgefischt hatte, gelegen haben und außerdem fehlte die Skulptur. Nur die Plastiktüte lag noch offen im Kofferraum. Kathrin Kohn musste also am Wagen gewesen sein, das wusste Peters in dem Moment.
      Tja, und dann haben wir irgendwann selbst Peters auch noch das Obduktionsergebnis mit den Holzsplittern in der Wunde vorgelesen. Da hat der sich dann wohl seinen eigenen Reim darauf gemacht." Die Kommissarin sah Ulli nachdenklich an. "Und warum haben die von der Spurensicherung den Autoschlüssel nicht im Kofferraum gefunden."
      Werschow zuckte mit den Achseln.
      "Keine Ahnung. Den wird der Peters wohl irgendwie, quasi vor unseren Augen, an sich genommen haben. Jedenfalls hat er dem Kohn den Schlüssel im Wohnmobil gezeigt und ihm gesagt, dass er wüsste, dass er - Kohn, seine Frau umgebracht habe. Ja, und dann ist es in dem Wohnmobil zu einem Handgemenge gekommen und dabei ist wohl die Gasleitung gerissen und.... den Rest kennen wir ja. Petra Paulus tippte mit dem Zeigefinger auf die Schreibtischplatte und lächelte.
      "Gute Arbeit, Ulli. Also doch kein großer Unbekannter, wie bei Hitchcock. Dann wird der Kohn, wenn er es denn überlebt, wohl doch noch in den Knast müssen."

       

      Zwei Tage später lag ein Fax auf Werschows Schreibtisch. Kohn war seinen Verletzungen erlegen.

       

      Amtliche WARNUNG vor STARKEM GEWITTER

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