Steinhuder Rauchaal und Fischfangtradition

Steinhuder Rauchaal und Fischfangtradition
Obwohl sich Steinhude in den letzten 100 Jahren vom kleinen Fischerort zu einem beliebten Urlaubsort entwickelt hat, ist das alte Handwerk der Fischer erhalten geblieben. Der Steinhuder Rauchaal ist inzwischen weit über die Grenzen Steinhudes hinaus berühmt geworden.

Spezialität aus Steinhude

Es ist die besondere Art des Räucherns über Buchenholz, die den Aal zur Spezialität werden läßt. Und so werden auch die vielen, in Steinhude lebend aus Norwegen, Schweden und anderen Ländern angelieferten Aale in einer der zahlreichen Räuchereien zum Steinhuder Rauchaal gemacht.

 

Steinhuder Fischer fangen auch heute noch Aale im Steinhuder Meer

Aber auch das Steinhuder Meer wird noch immer befischt. Da die Aale aber nur im Sargassomeer vor Nordamerika laichen und der Weg über den Meerbach, den einzigen Abfluß des Meeres, durch Begradigung und Wehre schwierig geworden ist, werden alljährlich die kleinen, weidenblattförmigen Glasaale eingesetzt. Gefangen werden sie in den Reusen, die an den am Ufer aus dem Wasser hervorstehenden Pfählen befestigt sind und von den Fischern vom traditionellen Torfkahn oder Jägerschiff aus mehrmals wöchentlich geleert werden.

In den Geschäften der Steinhuder Fischer gibt es den Aal auch in anderen Variationen zu kaufen, probieren Sie doch mal Aal in Aspik. Sie können Aal auch "grün" kaufen und ihn braten oder kochen. Oder Sie besuchen eines der zahlreichen Restaurants, die den Aal natürlich auch auf der Speisekarte haben. 

Mehr über den Fischfang und die Fischer am Steinhuder Meer erfahren Sie auch bei der Besichtigung einer der Aalräuchereien oder des Fischer- und Webermuseums. Das traditionelle Straßenfest Fischerkreidag hat seine Urspünge in einem Versammlungs- und Gerichtstag der Steinhuder Fischer und wird jährlich im Mai gefeiert.

 

Der Torfkahn - das traditionelle Fischerboot am Steinhuder Meer

Der Steinhuder Torfkahn von Matrose Meuter bei der Torfkahnregatta 2015

Wenn Sie am Ufer des Steinhuder Meeres spazieren gehen, werden sie Ihnen bestimmt auffallen. Die langen schwarzen Torfkähne, die an der Promenade liegen oder auf dem Meer fahren, sind die traditionellen Boote der Fischer. Es gibt sie in dieser Form nur auf dem Steinhuder Meer.

Konstruktion

Die urtümlich anmutende Form dieses Fischerbootes geht bis auf den Einbaum zurück. Einige Einbaumfunde gelten als Vorgänger des Kahns, der nur aus etwa 10 cm starken Holzbohlen und darauf befestigten Planken und einem massiven Eichenkeil als Steven besteht. Diese Konstruktion war einfach zu bauen, sehr stabil und wegen ihres geringen Tiefgangs den lokalen Bedingungen des Flachsees optimal angepaßt. Dies macht den Torfkahn auch heute noch zum idealen Fischerboot. Aber auch der Transport von Torf, Heu, Schilf, Sand, Holz, Vieh und auch Ausflüglern erfolgte mit dem Torfkahn.

Technik und Steuerung

Der Torfkahn ist 8 - 10 Meter lang und dabei nur etwa 1,10 - 1,25 Meter breit. Er wird gestakt oder gesegelt. Hierzu dienen zwei etwa 4 - 5 qm (vorn) und 7 - 8 qm (Mitte) große Sprietsegel. Ein normales Ruder besitzt der Torfkahn nicht. Zur Steuerung wird das spatenförmige Firrer benutzt, das auf der Leeseite über Bord gehalten wird. Allein durch auf- und niederdrücken des Firrers kann so die Richtung geändert werden. Auch diese Steuerung ist einzigartig und nur auf dem Steinhuder Meer bekannt. Im Frühen Mittelalter sollen sie aber auch an der gesamten Nordseeküste verbreitet gewesen sein.

Und noch etwas, das es sonst wohl nirgends gibt: ein Schwert, das die Abtrifft verhindert, hat der Torfkahn nicht und muss daher beim Segeln auf die Seite gelegt, d.h. gekrängt werden.Torfkahnregatta Da das Segel als Fortbewegungsmittel in den letzten Jahrzehnten von Außenbordmotoren verdrängt wurde, veranstalten der Fischerverein und die Werbegemeinschaft seit 1982 jährlich eine Torfkahnregatta zum Fischerkreidag. Sie ist jedes Jahr der reizvolle Höhepunkt des Straßenfestes und soll zum Erhalt der Boote und der Segelkunst beitragen.
Seit über zehn Jahren wird im Herbst (erster Samstag im September) noch einmal gegen- und miteinander gesegelt. Aber die Torfkähne haben ihre guten Eigenschaften nicht nur auf dem heimischen Gewässern bewiesen: 1982 fuhren Steinhuder mit drei Kähnen -inspiriert von einer Forschungsarbeit des Deutschen Schiffahrtsmuseums auf der Weser von Nienburg bis nach Bremerhaven. Drei Jahre später fuhr man die zweite Etappe von Hannoversch-Münden bis Nienburg. Ein besonderes Ereignis war 1987 die Teilnahme am Bootskorso zur 750-Jahr-Feier Berlins. 1997 nahmen vier Torfkähne an einer Fahrt von Worpswede nach Bremen-Findorff teil.

 

Das Jägerschiff

Torfkahn und Jägerschiff (rechts) bei der Regatta zum Fischerkreidag

Das Jägerschiff ist der zweite Bootstyp, der auch heute noch auf dem Steinhuder Meer als Arbeitsboot - vor allem zum Fischfang, eingesetzt wird. Es ist ein flachbodiger Schwertkahn aus Lärchen- oder Tannenholz mit aufgesetzten Bordwänden. Wie der Torfkahn wird auch das Jägerschiff mit zwei Sprietsegeln gesegelt. Dabei ist es aber schneller und wendiger als der Torfkahn, was ihm wohl auch seinen Namen einbrachte: die alten Steinhuder sagten: "Sei jaget üsch wech". Auch dieser Bootstyp nimmt alljährlich an den Torfkahnregatta teil, wird allerdings extra bewertet.

 

Geschichte des Fischfangs am Steinhuder Meer

Fotograf und Ortshistoriker Rudi Diersche hat mehrer Bücher mit historischen Fotos und Texten über Steinhude veröffentlicht. Aus seinem Buch "Steinhude von 1300 bis 2000" stammt folgender Text über den Fischfang am Steinhuder Meer.

 

Welche Fische gibt es im Steinhuder Meer?

Steinhude am Steinhuder Meer

In einer Beschreibung aus Oryctographia Calenbergica von Albertus Ritter aus dem Jahre 1741 heißt es: "...das Steinhuter Meer, an dem das Städtchen Steinhute liegt, und zwar ist es ein See unreinen Wassers, der einige Stunden im Umfang mißt. Er ist überreich an verschiedenen Arten Fischen, vornehmlich finden sich in ihm ... kleinere Fischchen, die Fingerlänge selten überschreiten, Stinte genannt, richtiger würdest du sie Stincke heißen wegen ihres weniger lieblichen und angenehmen Duftes, den sie reichlich ausströmen."

1750 beschrieb C. A. Dolle in "Merkwürdigkeit der Grafschaft Schaumburg" zunächst die moorige Beschaffenheit des Meerwassers: "... welches die Ursach ist, daß die Fische aus diesem Wasser moorigt schmekken. Unter denen mancherley Arten Fischen so in diesem Meere gefangen werden, werden die sogenannten Dünnecke zu gewissen Zeiten am allermeisten gefangen." Dolle widerspricht Albertus Ritter, der "den rechten Nahmen dieser Fische nicht gewust." Ritter hatte die "Dünnches" genannten Fische als Stinte bezeichnet, außerdem hätten sie keinen üblen Geruch, der stelle sich vielmehr erst ein, wenn die Fische in der starken Sonnenhitze zu faulen begännen.
Dolle schrieb auch über die Laichzeiten, in denen sich die Fische in großen Mengen an der Oberfläche des Meeres zeigten, Steinhuder nannten dieses Naturereignis Gung (von gehen). "So nun dieser Gung kommen will, oder schon da ist; so zeigen sich in der Oberfläche des Wassers erstlich die kleinen Fischlein, welche von den Einwohnern Gräbke genannt werden, darauf folgen zweytens die Brassen, sodann lassen sich drittens die Bleecke sehen, und so sich diese zeigen, so ist der rechte Dünneken-Gung in zweyen Tagen gleich dahinter. Der letzte Gung aber ist der Carpen-Gung, und dieser komt insgemein um Johannis Tag." 1756 meinte Dolle in seiner "Geschichte der Grafschaft Schaumburg": "Unter denen mancherlei Fischen, welche in diesem See in großer Menge gefangen, und weit und breit verkauft werden, sind die Baarse, Aale und Dünneke die häufigsten und bekanntesten."

 

Steinhuder Fischer bringen ihren Fang im Steinhuder Hafen an Land

Die Fangstatistik wies eine rückläufige Tendenz auf: 1950-60: um 30 kg/ha, ab 1960 abnehmend; 1972: 16 - 20 kg/ha. Der Hecht ging durch die Vernichtung seiner Laichplätze stark zurück. Der Ertragssteigerung im Steinhuder Meer sind natürliche Grenzen gesetzt, die Menge der heranwachsenden Fische ist abhängig von der zur Verfügung stehenden Nahrung. Hierfür bieten die biologischen Verhältnisse eines Flachsees keine optimalen Voraussetzungen. Besonders hinderlich sind die durch den Wind ständig aufgewühlten Schlammassen. Sie verhindern eine ausreichende Besiedlung des Bodens mit Kleingetier. Eutrophierung, geringe Wasserkarbonathärten und fehlende submerse Flora tragen zu einer Fischnährtierverarmung bei. So ist auch zukünftig nur bedingte Ertragsverbesserung zu erwarten, zumal das Gewässer durch Wassersport und Erholungseinrichtungen belastet ist.
Die Entwicklung in den 90ern zeigte keine Besserung. Die Ungleichgewichte zwischen Raubfisch-, Friedfisch- (Weißfisch-), Zooplanktonund Algenplanktonbeständen aufgrund zivilisationsbedingter Beeinflussungen nahmen für den Gewässerhaushalt bedrohlich zu.

 

Bei Verknüpfung ungünstiger Faktoren (aufgewühlter Schlamm, hohe Wassertemperaturen, niedrige Wasserstände), wie sie insbesondere im Frühjahr zur Laichzeit der Weißfische eintreten können, ist die Gefahr großer Fischsterben - über das normale Maß hinaus - gegeben.
Das letzte große Fischsterben im Frühjahr 1994 zeigte, wie empfindlich die Öffentlichkeit auf verendete Fische reagiert. Besonders problematisch ist das übergroße Aufkommen der minderwüchsigen Weißfischbestände.

Diese im wesentlichen aus Brassen und Güstern bestehende Überpopulation kann sich sehr gut an die zunehmend verschlammten und strukturarmen Lebensbedingungen im Wasser anpassen und entwickelt ständig eine sehr große Nachkommenschaft. Daraus resultierende Überbestände an Phytoplankton (Algen) sind mit verantwortlich für die fast ganzjährige Algenblüte. Regelmäßiges Abfischen stößt an die betriebswirtschaftlichen und existentiellen Grenzen der Fischereibetriebe. Die vagabundierenden Schlammassen und die zunehmende Verlandung wasserdurchfluteter Schilf- und Uferbestände sind wesentlich für den Rückgang der Raubfischbestände verantwortlich.
Mehrfach hat der Fischer-Verein Steinhude auf diese Entwicklung hingewiesen und konkrete Vorschläge zur Entschärfung der Situation gemacht. Mit dem Hinweis auf übergeordnet bewertete Naturschutzbelange, sowie dem Vorwurf von fischereilichen Nutzerinteressen und der stark begrenzten Haushaltslage wurden diese Vorschläge zurückgewiesen. Den Fischern blieb nichts weiter übrig, als erst einmal ein Notprogramm zu erarbeiten und allein umzusetzen. Jährlich wurden 40-50 Tonnen Weißfische abgefangen und zu Fischmehl verarbeitet.
Schon 1939 klagten die Fischer über eine Haubentaucherplage, die der Fischerei großen Schaden zufügte. Etwa 500 Taucher wurden im Laufe jenes Sommers an Aalschnüren gefangen. Die Fischer wandten sich an den Kreisjägermeister, mit der Bitte, Abhilfe zu schaffen. Neben dem Haubentaucher ist der Fischreiher, wenn auch nicht in so großer Zahl, als Fischräuber am Steinhuder Meer vertreten. In den 60er Jahren war es eine Überpopulation der Schwäne, die die Unterwasserpflanzen zerstörten. 1994 wurde über eine starke Zunahme der Kormorane geklagt, die für die Laichschwärme zum zusätzlichen Stressfaktor wurden. Eine Brutkolonie, die sich 1998 erstmals gebildet hatte, wurde von Unbekannten zerstört.

 

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